Gottes Neue Offenbarungen

Das Grosse Evangelium Johannes: Band 1

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre
Zweiter Tag in Sichar

- Kapitel 93 -

Der Herr und der Wirt Koban zu Kana. Von der freien Selbstbestimmung als göttlicher Grundsatz der Lebensentfaltung

Wir machen uns nun auf den Weg. Der junge Wirt aber kommt abermals, Mich zu bitten, daß Ich den Abend bei ihm zubringen möchte.
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Ich aber sage: ,,Ich komme bald wieder; denn bevor Ich aufs nächste Fest nach Jerusalem ziehe, muß Ich Nazareth besuchen, und werde wieder auf dem Hin- und Herwege bei dir einkehren."
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Sagt der Wirt: ,,Herr, das wird meine größte Seligkeit sein! So Du schon aber heute durchaus nicht länger verweilen willst, so erlaube mir aber dennoch gütigst, daß auch ich Dich abermals begleiten darf!"
4
Sage Ich: ,,Das steht dir ganz frei; denn von Mir aus soll nie jemand zu was immer gezwungen werden! Wer Mich annehmen will, der nehme Mich an, und wer Mir und Meiner Lehre folgen will, der folge! Denn Ich und Mein Reich sind frei und wollen daher auch in aller Freiheit errungen sein!
5
Vor Mir gilt nur die freieste Selbstbestimmung. Alles, was darüber oder darunter ist, hat vor Mir und Meinem Vater, Der in Mir ist, wie Ich in Ihm, keinen Wert!
6
Denn jeder Zwang von irgendwo anders her als aus dem höchst eigenen Herzen ist fremd und kann für jedes Menschen ebenfalls nicht fremdes, sondern allein nur höchst eigenes Leben unmöglich irgendeine Geltung haben in Meiner ewigen, also allerfreiest dastehenden Ordnung.
7
Was nützte dir's im Grunde, so du von einem Kunstwerke, das eine fremde Hand gebildet hat, aussagtest, es sei deiner Hände Werk? So aber dann jemand käme und verlangte von dir gegen großen Lohn, ein gleiches Werk nachzubilden, da würdest du zuschanden stehen und dir's müssen gefallen lassen, so dich der Besteller vor aller Welt einen Lügner, Betrüger und Prahler mit fremder Berühmtheit schelten wird.
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Also ist auch die volle Ausbildung des eigenen Lebens jedem Menschen in die höchst eigenen Hände gelegt.
9
Was als Fremdes bei der einstigen großen Lebensprüfung jedes einzelnen Menschen vor den Augen Gottes an dem Menschen erkannt wird, das wird für ihn auch keinen Wert haben und wird ihm genommen werden, und es wird da heißen: Wer da hat, dem wird's belassen und noch vieles hinzugegeben werden; der aber nicht hat das Eigene, dem wird's genommen werden, das er hat, dieweil es nicht sein Eigenes, sondern nur Fremdes ist!
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Ich sage dir, daß es nun sogar nicht nötig ist, daß du mitziehest; aber so du es rein aus dir selbst tun willst aus Liebe zu Mir, so wirst du dadurch nicht nur nichts verlieren, sondern zehnfach gewinnen in allem! Denn wer immer aus wahrer Liebe zu Mir etwas tut, dem wird es vergolten werden hier zehnfach und einst in Meinem Reiche hundertfältig, auch tausendund endlosfältig!"
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Sagt der Wirt: ,,Herr, wenn so, da gehe ich schon ganz bestimmt mit Dir; denn mein eigenes Herz treibt mich dazu an, und ich will alsonach meinem Herzen die pünktlichste Folge leisten!"
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Sage Ich: ,,Gut, so tue das, da wirst du leben aus deinem Herzen, was allein das rechte Leben ist. Denn jedes andere Leben, das nicht aus dem Herzen kommt, ist kein Leben, sondern ein Tod des eigenen Lebens bei jedem Menschen! Denn Ich allein als ein Herr alles Lebens sage dir das!"
13
Der Wirt ist darob ganz selig, nimmt sogleich sein Ränzchen und etwas Geld und macht sich reisefertig.
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Ich aber sage zu ihm: ,,Mache dich frei von allem, so wirst du um vieles leichter wandeln; denn die Diebe fallen nur jene an, von denen sie wissen, daß sie etwas bei sich tragen! Hast du aber nichts, so werden sie auch nichts wegnehmen können!"
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Der Wirt übergibt darauf sein Geld und Ränzchen seinem Weibe und folgt Mir also ohne Geld und Ränzchen.

Fußnoten