Gottes Neue Offenbarungen

Das Grosse Evangelium Johannes: Band 1

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre
Auf dem Berg Morgenkopf bei Kis

- Kapitel 155 -

Mahnung zur Vorsicht bei Neulingen. Über die geistigen Entwicklungsstufen. Wie Gott ein Mensch und der Mensch ein Gott sein kann. Geistige Einweihung

28.2.1852
Bei diesen Worten berufe Ich den Kisjonah von seiner fünf Klafter hohen Kanzel herab und sage zu ihm insgeheim: ,,Schweige vorderhand und verrate Mich nicht vor der Zeit! Denn hier gibt es noch viele, die dazu nicht so reif sind als du und dürfen daher auch nicht vollends erfahren, Wer Ich so ganz eigentlich bin, ansonst es mit der lebendig werden sollenden Freiheit ihres Geistes ins Gericht käme, aus dem ein solcher Geist sich schwerlich je erheben könnte.
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Es ist genug, daß nun viele zu ahnen anfangen, Wer Ich bin, und die meisten Mich aber entweder für einen großen Propheten und einige für Gottes Sohn, - das Ich nun dem Äußeren nach bin, halten. Mehr als das wäre vorderhand von großem Schaden; darum lassen wir sie auch vorderhand bei solcher Meinung und bei solchem Glauben, und du darfst Mich darum nicht weiter verraten!"
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Sagt Kisjonah: ,,Ja, Herr, das ist ganz sicher also; aber ich bin auch ein Mensch. Wird es meiner Seele nicht zum Gerichte sein, da ich nun ohne allen Zweifel nicht nur glaube, sondern es durch und durch weiß, Wer Du bist?"
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Sage Ich: ,,Dich habe Ich vorbereitet durch Worte und Lehre. Du hieltest Mich, als Ich vor etlichen Tagen zu dir kam, wohl für einen sehr weisen und wohlverständigen Arzt, und als du Mich ungewöhnliche Taten verrichten sahst, so fingst du an, Mich für einen Propheten zu halten, durch den der Geist Gottes wirke. Du aber bist ein in allen Schulen bewanderter Mann, und es trieb dich der Drang, in deine volle Wissenschaft zu bringen, wie ein Mensch zu solcher Vollendung gelangen könne. Da enthüllte ich dir, was der Mensch und was in ihm ist, und dazu, was aus dem Menschen werden kann, so er sich vollends erkannt hat und dadurch zur vollsten Lebensfreiheit seines Geistes gelangt ist.
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Aber Ich zeigte dir dann auch, wie Gott Selbst ein Mensch ist, und wie aus diesem einzigen Grunde auch du und alle dir ähnlichen Wesen Menschen sind. Und Ich zeigte dir dann auch im geheimen, daß eben Ich Selbst der Mensch bin, und daß ein jeder Mensch berufen ist, das zu werden und für ewig zu sein, was Ich Selbst bin. Da erstauntest du, und du weißt von da an, Wer Ich bin.
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Und sieh, das war eine zweckmäßige Vorbereitung deiner Seele und deines Geistes, so daß du darob Mich nun eine ganze Erde und aus Steinen Menschen erschaffen sehen magst, und es wird dir dennoch nichts mehr machen. Denn du hast es frei und zwar auf einem wissenschaftlichen Wege angenommen, daß Gott ein Mensch und ein Mensch ganz gut und völlig wissenschaftlich wahr ein Gott sein kann! Und so kann es nun deine Seele und deinen Geist nimmer beirren, so du es vollkommen einsiehst, daß Ich der ganz allein und einig wahre Gott und Schöpfer aller Dinge von Ewigkeit her bin.
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Aber ganz anders verhält es sich mit all diesen anderen Menschen, die samt und sämtlich auf dem rein wissenschaftlichen Wege unzugänglich sind. Diese haben nur den Glauben und dabei äußerst wenig Verstand.
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Der Glaube aber ist dem Leben der Seele näher als der vollendetste Verstand. Ist der Glaube ein Zwang, so ist er dadurch sogleich auch eine Fessel der Seele; ist aber die Seele gefesselt, so kann von einer freien Entwicklung des Geistes in ihr keine Rede sein.
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So aber, wie bei dir, zuerst der Verstand zur richtigen Einsicht gebracht worden ist, so bleibt dabei die Seele frei und nimmt sich aus dem Lichte des Verstandes allzeit nur soviel, als sie ganz gut verdauen kann.
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Und so entwickelt sich dann aus einem recht gebildeten Verstande ein wahrer, voller, lebendiger Glaube, durch den der Geist in der Seele eine gerechte Nahrung überkommt und dadurch stets stärker und mächtiger wird, - was ein jeder Mensch sogleich wahrnehmen kann, so seine Liebe zu Mir und zum Nächsten stets stärker und mächtiger wird.
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Aber, wie schon erwähnt, wo bei dem Menschen der Verstand oft ganz unentwickelt ist und er, der Mensch, bloß den Glauben, der gewisserart in seiner Einzelstehung nur ein Gehorsam des Herzens und dessen Willens ist, allein hat, so muß dieser mit aller Vorsicht behandelt werden, auf daß er nicht zu einem barsten Wahne erstarre oder auf die gräßlichsten Abwege gerate, wie dies bei allen Heiden und auch in dieser Zeit bei sehr vielen nur zu augenscheinlich der traurige Fall ist.
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Und du wirst nun schon leicht einzusehen imstande sein, warum Ich dich ehedem von dem Felsen, von dem du Mich vor dem Volke enthüllen wolltest, herabrief. Es soll darum nie ein Blinder den andern führen, sondern ein in seinem rechten Verstande Scharfsehender, - ansonst sie beide in den Abgrund stürzen.
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Ich sage euch, seid emsig in allem und sammelt euch eine rechte Kenntnis in allen Dingen! Prüfet alles, das euch vorkommt, und behaltet davon, das gut und wahr ist, so werdet ihr dann ein leichtes haben, die Wahrheit zu erfassen und den früher toten Glauben zu beleben und ihn zu einer wahren Leuchte des Lebens zu machen.
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Ich sage dir und dadurch auch allen: Wollt ihr aus Meiner Lehre für euer Leben einen wahren Nutzen ziehen, so müßt ihr sie vorerst verstehen und dann erst der Wahrheit gemäß danach handeln!
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So vollkommen der Vater im Himmel ist in allem, ebenso vollkommen müßt auch ihr sein, - ansonst ihr nimmer Dessen Kinder werden könnt!
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Du hast gelesen die Schrift des Matthäus und darin Meine Bergpredigt; da lehrte Ich die Jünger beten und zwar mit dem Anrufe: Unser Vater!
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Wer solches Gebet betet im Herzen, versteht es aber nicht im rechten Verstande, der ist wie ein Blinder, der die Sonne lobt und preist, sie aber dennoch trotz ihres allermächtigsten Lichtes nicht sieht und sich von ihr auch keine Vorstellung machen kann. Er sündigt dadurch freilich nicht; aber es ist ihm auch nichts nütze in der Wahrheit; denn er bleibt dabei dennoch in der gleichen Finsternis.
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Darum, so ihr eines Menschen Herz wahrhaft fürs Leben bildet, so vergesset nicht zuvor recht zu bilden den Verstand, sonst machet ihr aus ihm einen blinden Verehrer der Sonne, das nichts nütze ist."

Fußnoten