DER SATURN

Darstellung dieses Planeten samt Ring und Monden und seiner Lebewesen

- Kapitel 6 -


   
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Diese Pflanze wird dort ,,das rinnende Faß" genannt und hat eine große Ähnlichkeit mit euren Feldkürbissen, nur mit dem Unterschied, daß diese Kürbisse nicht selten eine solche Größe erreichen, daß ein Saturn-Mensch Mühe hat, darüber hinwegzusehen. - Die Pflanze selbst wächst oft mehrere tausend Klafter weit auf der Erde klafterdick im Umfang fort und läuft von ihrer Wurzel in vielen hundert Armen nach allen möglichen Richtungen aus. Ihre Blätter sehen denen eurer Kürbisstaude völlig ähnlich, nur daß sie ums Hundertfache größer sind und ihre Farbe nicht grün, sondern ganz violettblau aussieht und übersät ist mit lauter silberweißen Sternen. Der Stiel ist zwei bis drei Klafter lang, rund und im Durchmesser nicht selten mehrere Klafter betragend. Er ist inwendig hohl; in den Wänden aber laufen viele tausend Röhrchen hinauf, welche das Blatt nähren mit einem süßlichen Saft und zum Teil aber auch durch die vielfachen Poren der unterblattigen Spitzen als tropfbare Flüssigkeit hinaustreten und dadurch unter sich das Erdreich wie durch einen immerwährenden leichten Regen befeuchten. Jedoch was die Hauptbewässerung durch diese Pflanze betrifft, so wird sie eigentlich von der Frucht bewerkstelligt. Denn wenn diese zu ihrer halben Reife gekommen ist, öffnet sie in der Nachtzeit an ihrer Oberfläche befindliche Poren und über der Oberfläche eigens dazu gebildete Röhrchen, durch welche dann eine süßliche, klare Flüssigkeit wie aus einem Springbrunnen weit und breit hinausgetrieben wird, wodurch das Erdreich jede Nacht eine regelmäßige und hinreichende Bewässerung empfängt.
 
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Diese Pflanze ist für euch so gut wie unerhört. Auf der Erde gibt es durchaus nichts Ähnliches. Denn das sogenannte ,,wandelnde Blatt", welches im südlichen Amerika vorkommt, ist eigentlich keine Pflanze, sondern ein Tier. - Die Pflanze auf diesem Planeten aber, die wir betrachten wollen, ist in allem Ernst eine wandelnde, da sie gleich einem Tier sich von einem Ort zum andern bewegt. Die bewegende Kraft liegt in ihrer Wurzel, die das Aussehen hat wie ungefähr ein sehr unförmig gebildeter Menschenfuß, nur daß sie natürlicherweise nicht etwa geformte Zehen und irgendeine Ferse und sonst zum Fuße Gehöriges besitzt; sondern das Ganze ist ein in einem rechten Winkel gebogener, bei zehn Klafter langer Strunk, aus welchem nach allen Seiten eine Menge Fang- und Saugwurzeln auslaufen. Diese klammern sich wie die Ranken einer Weinrebe fast überall an, nur mit dem Unterschied, daß diese Wurzeln nur so lange auf einem Punkt der Erde sich festhalten, solange sie dort hinreichende Nahrung finden. Haben sie auf einem Ort alle Feuchtigkeit aufgezehrt, dann entwinden sie sich wieder aus der Erde, strecken sich weiter nach vorne aus, und das so weit auf der Erde hin, bis sie wieder an einen feuchten Ort gekommen sind. Da bohren sie sich wieder fleißig in das Erdreich ein, umwinden die feuchten Erdschichten und andere Kräuter und Gräser und ziehen durch dieses Umwinden die ganze Pflanze nach sich - durch welche Tätigkeit der Fußwurzeln dann eine solche Pflanze im Verlaufe von einem Jahr nicht selten eine Reise von mehreren Meilen (nach eurer Rechnung und eurem Maße) macht.
 
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