VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 89 -


   
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Die Helena sammelt sich und spricht dann: ,,O Du mein süßester Herr Jesus! Ich glaube, gegen diese Entsetzlichkeit ist der ganze Teufel ein reiner Lump. Zum erstenmal nach meinem Austritt von der Erde habe ich nun die abscheuliche und übergreuliche Erde wiedergesehen, aber so, wie etwa von einer über sie hinschwebenden Wolke herab. Und merkwürdig, ganz Österreich und Ungarn samt seinen Nebenländern lag unter mir wie eine riesenhaft große Landkarte ausgebreitet, auf der vom größten bis zum kleinsten Gegenstand alles zu ersehen war. Aber, o Jammer, welch ein Anblick des Entsetzens! - Die Städte sind voll Feuers und voll Unflats und gräßlich aussehenden Gewürmes. Flüsse und Seen und das Meer sind voll Blut! Fürchterliche Heere stehen einander gegenüber, und man ersieht da nichts als Mord, Verrat und wieder Mord! Die Menschen zerfleischen sich ärger als die reißendsten Bestien! An der Kaiserlichen Seite sah ich auch Russen in starker Anzahl. Aber selbst zwischen den Kaiserlichen und Russen sah ich Verrat und Mord hier und da. Und unter dem ungarischen Heer, das furchtbar stark ist, sah ich auch Russen und Polen in größter Anzahl, dazu auch Menschen aus ganz Europa. Alle aber schreien: ,Tod und Verderben allen Despoten! Keine Gnade und Schonung mehr! Verflucht sei, wer da dächte an einen friedlichen Ausgleich!` - Die armen Kaiserlichen können trotz großer Anstrengungen nichts ausrichten. Denn sie haben immer zehn gegen hundert zu kämpfen und können daher zu keinem Vorteil kommen. - O Herr, mache doch diesem entsetzlichen Würgen ein Ende und lasse nicht die Schwachen zugrunde gehen! Hauche in die Herzen der Ungarn einen versöhnenden Geist, und den Österreichern, wo es nottut, nicht minder; denn wahrlich, mich dauern meine bedrängten Landsleute!"
 
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Helena betrachtet erstaunt das wunderbar auf dem Tisch vor ihr auftauchende und sich stets mehr entfaltende fabelhaft gestaltete Gefäß. - Als nach einigen Augenblicken das Gefäß vollkommen entfaltet dasteht, ruft Helena: ,,Aber Herr, ich bitte Dich um Deines heiligsten Namens willen! Was ist denn das für eine sonderbare Gestaltung? Anfangs hat die Geschichte ausgesehen wie eine ganz natürliche Pflanze, etwa wie auf der Erde die Wasserlilie. Dann trieb es aus der Mitte seiner bandartigen Blätter einen runden, starken Stengel, auf dessen Ende eine Knospe ersichtlich war. Die Blätter verdorrten aber bald, und die Knospe brach auf und trieb statt einer erwarteten Blume die unverkennbare päpstliche Dreikrone (Tiara); aber verkehrt, das heißt mit dem Dreikreuz, das auf einem goldenen Apfel sitzt, nach unten, und mit dem eigentlichen untersten Kopfreife nach oben. Diese Tiara steht nun wie ein förmliches Trinkgefäß vor mir, und zwar merkwürdigermaßen auf einem Dreifuß, der sich wie von selbst aus dem Stengel geformt hat. Dies sonderbare Gefäß ist nun inwendig schwarz wie eine starke Nacht. Und da, wo außen die köstlichsten Edelsteine sitzen, fließt inwendig Blut und Blut, durchwühlt von allerlei gräßlichem Gewürm! Die Köpfe der Würmer sehen aus wie glühendes Erz und ihr Leib wie der eines Drachen. Und diese Bestien trinken gierig das Blut, so daß das Gefäß trotz des reichen Zuflusses nimmer voll werden und übergehen kann - auf daß da alle sehen, welch schauerlichen Inhalts dieses Gefäß voll ist. Oh, wie diese Bestien doch gar so gierig das Blut einsaugen! - Und sieh, unter den Würmern ersehe ich nun ein Tier, das viel größer ist als alle anderen. Diese Bestie hat sieben Köpfe und auf jedem Kopf zehn Spitzen wie die eines Schwertes, und auf jeder Spitze steckt eine glühende Krone. Wenn es untertaucht, da gischtet das Blut und es dampft auf der Oberfläche. Der Zufluß wird nun stärker und stärker, aber noch will das Gefäß nicht voll werden. Denn die Bestien zehren mächtig daran, und was sie nicht verzehren können, löst sich in Dampf und Rauch auf! - O Herr, binde den Bestien doch ihren Rachen, und von den Spitzen des einen Tieres nimm die glühenden Kronen, damit das Gefäß doch einmal voll werde! Oh, wie abscheulich das anzusehen ist!"
 
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