VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 58 -


   
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Jellinek betrachtet die Tänzerinnen mit großer Aufmerksamkeit und spricht darnach wie mit einem tiefen Seufzer: ,,Ach, lieber Bruder, ich kann mir nicht helfen, aber mein Gefühl beim Anblick solcher Produktionen bleibt sich stets gleich! Ich muß es dir ganz offen sagen, daß ich daran nie ein wahres Vergnügen gehabt habe. Im Gegenteil, ich bin dabei stets nur mit einer gewissen Art von Wehmut erfüllt worden und verließ ganz sonderbar gestimmt das Komödienhaus. Ich dachte auf der Erde oft über den sonderbaren Vorgang in meinem Gemüt nach. Ich war aber stets unfähig, mir darüber eine begründete Rechenschaft zu geben. Nun aber geht mir darüber ein recht tüchtiges Lichtlein auf, und das freut mich mehr als all diese Tanzkunstproduktionen. Der Grund liegt in der totalen Zwecklosigkeit dieser Gliederverrenkung. Sage mir, welchen Nutzen kann diese Kunst wohl je bezwecken? Nach meinem Dafürhalten nicht den allergeringsten! Alle anderen Künste, die Tonkunst, die Dichtkunst und die Maler- und Bildhauerkunst können in ihrer wahren und würdigen Haltung dem menschlichen Gemüt wohl von sehr wesentlichem Nutzen sein. Dies, indem sie das Herz sänftigen und veredeln und so nicht selten einen rauhen Menschen zu einem sanften und gemütvollen erziehen und eine rechte Liebe in der Brust erwecken. Nun aber lassen wir diese Tanzkunst eine noch so reine und würdige Richtung nehmen, so werden durch sie zumeist nur die unlautersten Gefühle in der Seele wach. Die Natur fast eines jeden Mannes wird nach einer solchen Vorführung stets ums vielfache sinnlicher und begehrender.
 
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