VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 124 -


   
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Da haben wir vor uns in dem Mönch schon so einen Patienten, der noch ganz taub, blind, stumm und lahm zugleich ist! Diesem muß zuerst geholfen werden, und er wird uns sodann die andern bearbeiten helfen. Der General hat ihn zu derb angegriffen und ihn gewisser Verbrechen beschuldigt, die dieser Arme in seinem ganzen Leben wohl nie ausgeübt hat. Das war nicht recht von dem sonst nach Wahrheit und Licht lechzenden General. Dieser Mensch ist nur, wie alle seinesgleichen, und da muß ihm geholfen werden. Denn ein eingefleischter römischer Katholik sein heißt: geistig taub, blind, stumm und lahm sein: Ein Zustand, in dem niemand als zurechnungsfähig betrachtet werden kann. Aber für seinen priesterlichen Hochmut war diese erste Kur dennoch wieder gut. Denn er sieht es nun ein, daß er gefehlt hat, indem er allen andern etwas glauben machen wollte, an das er selbst noch nie geglaubt hat. Die Hölle gebrauchte er bloß als Schreckmittel und den Himmel als süße Lockspeise, aber er selbst glaubte weder an das eine noch an das andere. Die ganze Religion war bei ihm ein altes mythologisches Mittel, die Völker der Erde im Gehorsam gegen die weltlichen Gesetze zu halten. Den Gottesdienst verrichtete er stets nur als notwendiges Blendwerk für die geistig blinde Menge, hielt aber selbst nie etwas darauf und sagte, gleich einem gewissen Papste, oft bei sich und auch nicht selten in Gegenwart seiner vertrautesten Kollegen: ,Die alte Mythe von Christo ist gar nicht übel! Man kann aus ihr machen, was man will. Und sie trägt ihren Dienern sehr viel Geld und Ansehen. Das ist aber auch das Beste an ihr; sonst wäre denn doch die alte griechische viel besser und erhabener gewesen!`
 
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