DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 5

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre

Jesus in der Gegend von Cäsarea Philippi
Ev. Matth. Kap. 16 (Fortsetzung)

- Kapitel 32 -


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(Roklus:) ,,Die rohen und dabei dennoch gewaltigsten Kräfte der Natur können nicht anders als nur höchst roh wirken, und ihr sogestaltiges Wirken ist ein notwendiges; denn ihr tobendes Wirken ruft die Kleinkräfte ins Leben, und diese gestalten sich dann erst zu etwas, wenn sie durch das gewaltigste Wirken der großen Rohkräfte gewisserart ins Leben gerufen werden. Durch gegenseitiges Anziehen und Abstoßen werden die kleinen Kräfte erst gestaltig und fangen an, die angenommenen Formen auszubilden, treten also in ein gefühltes Dasein, das sie so lange behalten, als sie in ihrer Abgesondertheit einer andern, mächtiger auf sie einwirkenden Kraft zu widerstehen vermögen. Hat diese die Kleinkraft überwältigt, so ist es mit der abgesonderten Kleinkraft völlig gar. Es löst sich da sogleich die Form mit ihr auf, und alles wird von der Großkraft wieder verschlungen, wie solches auch das sicher von einem Weisen der Urzeit ausgedachte Bild des Kronos recht treffend zeigt, wie er als Genitor der Götter seine Kinder wieder verschlingt. Die Zeit und die in ihr wirkenden Kräfte sind eben der besagte mythische Urgott Kronos. Die Zeit bringt alles hervor; immerwährend erzeugt sie lachende Fluren und zugleich die dürren Stoppelfelder. Werden und Vergehen, Leben und Tod, Sein und Nichtsein wandeln stets gleichzeitig miteinander einher. Keine Ruhe, keine Rast; eine Woge ruft die Nachbarin ins Dasein, - aber zwischen ihnen gehet auch gleich die Furche, das Grab, einher! Was da trägt den Stempel des Lebens, das trägt auf der Kehrseite auch den Stempel des Todes.
 
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Als ich durch Persien reiste, ward ich Zeuge einer höchst merkwürdigen Naturerscheinung. Es war ein glühheißer Tag, so daß wir mit unserer Karawane unter großen, schattigen Bäumen Schutz vor den zu glühend heißen Sonnenstrahlen suchen mußten. Etwa ein paar Stunden vor dem Sonnenuntergange bemerkten wir von Osten her ein starkes, kohlschwarzes Gewölke aufsteigen und die Zugrichtung gegen uns nehmen. Unsere Führer prophezeiten uns einen mächtigen Sturm und rieten uns, den Wald nicht eher zu verlassen, als bis der Sturm vorübergesaust sein werde. Wir taten das, und in einer halben Stunde war der Sturm mit Blitz und Donner über uns. Es krachte und tobte ganz entsetzlich in den Bäumen, und mancher starke Ast hat da sein Dasein eingebüßt, und das arme Laub der Bäume hat gewaltig gelitten. Es fing an zu regnen, aber eben nicht zu reichlich; doch ward es finsterer und finsterer. Als der Regen aber einige Augenblicke anhielt, da fingen unter den stets reichlicher fallenden Regentropfen auch ganz vollkommen ausgebildete Kröten millionenweise aus den Wolken mit dem Regen auf die Erde zu fallen an. Die ins Wasser fielen, die schwammen ganz gut herum, während nur wenige die auf den harten Erdboden fielen, mit dem Leben auf einige Augenblicke davonkamen. Merkwürdig war es, daß wenige Augenblicke nach diesem sonderbaren Sturm, der eine starke Viertelstunde anhielt, als die dem Untergange sich nahende Sonne wieder ihre heißen Strahlen auf den Erdboden schießen ließ, auch unsere Kröten verschwanden und nichts als ein schleimiger Schimmel von ihnen übrigblieb, und das auch nur hier und da.
 
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