DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 11

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre

- Kapitel 71 -
Das Osterlamm. - Die Fußwaschung. - Judas verrät den Herrn. - Das Abendmahl des Herrn


 
N
achdem die Mittagszeit herangekommen war, hieß Ich die Meinen aufbrechen, und wir begaben uns nun gemächlichen Schrittes wieder nach der Landstraße zwischen Jerusalem und Jericho. Es war aber heute der Tag des Osterlammes, und die Meinen fragten Mich, ob und wo Ich dasselbe mit ihnen essen wolle. Ich bejahte diese Frage und verlangte, zweie sollten vor uns in die Stadt gehen und dort das Lamm bereiten, sodann wolle Ich mit den übrigen nachkommen. (Mark.14,12.13a)
 
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Es lebte aber in der Stadt ein Mensch, welcher zu der Zahl derer gehörte, die von Mir schon im Anfange Meiner Lehrzeit gesund gemacht worden waren, als Ich das erstemal in Jerusalem selbst auftrat. Dieser war ein treuer Anhänger Meiner Lehre und fürchtete sich nicht vor den Juden und den mißgünstigen Pharisäern. Er hatte eine kleinere Herberge, die stets von besten Gästen besucht wurde. Namentlich verkehrten viele Römer bei ihm, die nach Jerusalem reisten, und er stand sich daher gut im Ansehen des Volkes und in seinem Lebensunterhalt. Dieser Wirt hatte schon früher durch Meine Jünger des öfteren Mich bitten lassen, bei ihm einzukehren.
 
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Zu diesem sandte Ich nun Petrus und Johannes, um das Osterlamm daselbst zu bereiten. Als Zeichen, wo dessen Haus zu finden sei, gab Ich ihnen an, sie sollten einem Menschen folgen, dem sie begegnen würden, der einen Wasserkrug trage und diesen in das Haus tragen würde. (Mark.14, 13b.14)
 
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Beide waren dem Besitzer nicht unbekannt, und als er Mein Verlangen hörte, ließ er sogleich in seiner Wohnung seinen besten Saal, den er sonst bei Familienfesten für sich selbst brauchte, herrichten, damit wir dort ungestört dem Brauche des Osterlammes folgen konnten, den er selbst, als ein nach der Meinung des Tempels abgefallener Israelit, der es mit den Römern hielt, nicht mehr beachtete, zumal er eine Griechin zur Frau hatte, mit der er nach Meiner Lehre, ohne jeden Formelkram des Tempels, lebte.
 
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Dieses ist der Inhaber des gepflasterten Saales, von dem die Evangelisten außer dem Johannes berichten, weil es ihnen später sehr wichtig schien, anzugeben, wo das Abendmahl stattgefunden habe (Mark.14,15.16), während Johannes sich nur um die hier gesprochenen Worte und nicht um das Äußere kümmerte.
 
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Es war Abend geworden, als Ich mit den Meinen ankam. Nachdem wir von unserem Gastgeber und dessen Familie freudig begrüßt worden waren, wurden wir unter der Versicherung, daß niemand uns hier stören würde, in den bewußten Saal geführt, wo wir uns zu dem bereiteten Osterlamm niederließen.
 
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Was an diesem Abend alles gesprochen wurde, das hat auch der Evangelist Johannes genau aufgezeichnet und ist daselbst nachzulesen (Joh.13-17). Hier ist nur einiges noch nachzuholen, damit das Verständnis dafür mehr gefördert werde, wie die Ereignisse sich vollzogen.
 
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Nachdem wir in der hergebrachten Sitte das Lamm verzehrt hatten, stand Ich auf, gürtete Mich und nahm die Fußwaschung (Joh.13,4-12) vor, wodurch die tiefste Demütigung des Menschensohnes bezeigt wurde, da dieses ein Geschäft der niedrigsten Diener und Sklaven war. Gleichzeitig wird aber damit gesagt, daß niemand Meine Wege wandeln kann, ohne daß Ich ihm vorher die Werkzeuge gereinigt habe, welche es ihm ermöglichen, auch diese Wege zu gehen, - das heißt also, sein Herz muß von allem Staube der bisher gewandelten Landstraßen der Welt völlig gesäubert sein, und zwar bin Ich es, der ihm dazu die Mittel reichen wird. Es soll daher niemand diese Waschungen fürchten, ansonst er keinen Teil an Mir haben wird.
 
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Ich gab also hier den Jüngern eine tiefe Lehre in einem Symbol, wobei allerdings dieses letztere nicht die Hauptsache ist, sondern der in diesem steckende Kern alles bedeutet.
 
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Wie Ich aber Meine Jünger reinigte, so sollen auch die Menschen untereinander bemüht sein, sich zu reinigen, damit sie reinen Herzens, also mit gewaschenen Füßen, Mir wahrhaft nachfolgen können. -
 
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Es war nun Sitte, daß nach dem Mahle von dem Hausvater noch ein Bissen verabreicht wurde, indem er einen Spruch der Schrift dazu dem sagte, der diesen Bissen erhielt. Diese Sitte hat sich nicht bis zur Jetztzeit erhalten, wurde jedoch damals allgemein ausgeübt und galt bei vielen als eine Art Weissagung für die kommende Zeit.
 
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Während Ich nun diese bereitete, überfiel Meine Seele große Traurigkeit, und Ich sagte die Worte: ,,Einer unter euch wird Mich verraten!" (Joh.13,21)
 
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Die Jünger, entsetzt über diesen Ausspruch, der ihnen dunkel erschien, bestürmten Mich mit Fragen, wie Ich das meine, und wer Mich verraten könne. (Joh.13,22) Ich lehnte aber jede Antwort ab und begann, die Bissen zu verteilen, indem Ich jedem nach seinem Charakter noch eine Ermahnung sagte. Petrus, der einer der ersten war, war am meisten von Meinem Ausspruch bedrückt und winkte dem Johannes, der Mir zunächst saß, er möge forschen, wer es wäre, den Ich meine. (Joh.13,23.24)
 
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Das ,An-der-Brust-Liegen` ist vielfach falsch verstanden worden, indem die vielen Deutungen nur durch Mißverstehen des Sprachgebrauchs entstanden sind. Wir lagen nicht zu Tische, wie die Römer es taten, wie oft gedeutet wird - diese Sitte nahmen die Juden als heidnisch nie an, wie sie alles vermieden, was sie mit heidnischen Völkern hätte gemein machen können -, sondern wir saßen. Derjenige nun, dem eine besondere Freundesauszeichnung gegeben werden sollte, saß dem Hausvater zur Rechten und wurde von ihm dadurch geehrt, daß er ihm die Speisen zubereitete. Geschah dieses, so mußte sich der Hausvater ihm oftmals zuwenden, ihm die Brust entgegenstellen. Im Sprachgebrauch der damaligen Zeit bedeutete dieser Umstand eben das, was jetzt mit ,An-der-Brust-Liegen` übersetzt ist, wodurch allerdings ein anderer Begriff mit untergelaufen ist, der nicht beabsichtigt war. (Joh.13,25a)
 
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Johannes fragte Mich nun leise, und ihm, als dem vertrautesten Meiner Jünger, sagte Ich: ,,Der ist es, dem Ich den Bissen gebe!", wonach Judas denselben erhielt mit den Worten: ,,Was du tust, das tue bald!" (Joh.13,25b-27)
 
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Natürlich konnten die andern Jünger aus diesem Spruch nicht entnehmen, was Ich meinte. Judas aber, der ebenfalls durch Meinen ersten Ausspruch erschreckt war, da er sich getroffen fühlte, nahm diese Worte nun ganz als Aufforderung auf, die seinen Plänen zustimmte, erhob sich schnell und ging innerlich triumphierend hinaus. (Joh.13,28-30)
 
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Der ganze Hochmut eines zukünftigen Mitherrschers, der er durch Mich nun zu werden hoffte, sowie die größte Begierde, Ruhm und Ehre rücksichtslos einzuheimsen, erfüllte ihn nun, so daß Satan mit allen Hochmutsteufeln von seiner Seele Besitz nahm, die nur in dem Wunsche erglühte, zu herrschen und alle Gegner zu vernichten. -
 
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Hätte Ich aber nun dieses alles nicht vermeiden können?
 
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Gewiß! Es stand hier aber dem Menschensohne die Wahl, allen Glanz und alle Ehre der Welt ergreifen zu können. Er mußte daher auch wahrhaft in die Lage kommen, zu wählen, und hierin lag die Entscheidung für Ihn in dem Sinne, wie sie schon früher angedeutet worden ist.
 
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Daher sprach Ich nach des Judas Fortgang: ,,Nun ist des Menschen Sohn verklärt, und Gott ist verklärt in Ihm. Ist Gott verklärt in Ihm, so wird Ihn Gott auch verklären in Sich Selbst und wird ihn bald verklären!" Das heißt also: Der Menschensohn wird wahrhaft Gottes Sohn sein, und der Vater wird Sich bald für alle Ewigkeit mit Ihm vereinen. (Joh.13,31.32)
 
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Ich gab nun Meinen Jüngern nochmals Meine gesamte Lehre in kurzen Worten wieder, wie es in Johannes, Kapitel 13 bis 17, genau zu lesen ist mit allen Reden und Gegenreden der Jünger, mit des Petrus und Philippus Einwänden und der Begegnung derselben.
 
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Es war aber über allen diesen Reden schon spät geworden, und Ich nahm nun das Brot nochmals, von dem Ich die ersten Bissen zubereitet hatte, und sagte zu den elfen: ,,Nehme noch jeder einen Bissen, den Ich hier bereite. Es ist Mein Leib, das Fleisch gewordene Wort, welches in euch lebendig werden soll. Nehmet auch diesen Kelch, trinket alle daraus, es ist Mein Blut, welches für euch zur Vergebung eurer Sünden vergossen werden wird. Wer nicht Mein Fleisch isset und Mein Blut trinket, wird nimmermehr selig werden. Ihr wisset aber nun, wie ihr dieses zu verstehen habt, und werdet euch nicht mehr an solchen Worten stoßen. Esset, trinket, und solches tut, sooft ihr es tut, zu Meinem Gedächtnis. (Matth.26,26-88; Mark.14,22-24) Wo aber zwei solches tun werden zu Meinem Gedächtnis und sind versammelt in Meinem Namen, da bin Ich auch unter ihnen." (Matth.18,20)
 
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Die Jünger taten nun also, wie Ich gesagt hatte. Und sodann begaben wir uns aus dem Hause, nachdem Ich auch unserem Wirte gedankt hatte, der sich liebevoll von Mir verabschiedete.