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Der Tag der Großen Offenbarung
von Bruder Konrad Beitrag bearbeiten   Thu, 18 Apr 19 um 19:47 CEST

Der Antichrist und das Endgericht
aus "Scivias (Wisse die Wege)" von Hildegard von Bingen (1098-1179)

12. Vision des 3. Teils (1-16) - Der Tag der Großen Offenbarung

Danach schaute ich: Und plötzlich wurden alle Elemente und Geschöpfe von einem schrecklichen Beben erschüttert, Feuer, Luft und Wasser brachen hervor und brachten die Erde in Aufruhr. Es dröhnte von Blitzen und Donnerschlägen. Berge und Wälder fielen, so daß alles Sterbliche das Leben aushauchte. Und alle Elemente wurden gereinigt, so daß auf diese Weise alles Schmutzige an ihnen verschwand und nicht mehr auftauchte. Und ich hörte eine Stimme mit lautem Ruf über den ganzen Erdkreis erschallen; sie rief: "O ihr Menschenkinder, die ihr in der Erde ruht, erhebt euch alle!"
Und siehe da! Alles menschliche Gebein an jedem Ort der Erde sammelte sich augenblicklich und bedeckte sich mit seinem Fleisch; und alle Menschen erstanden mit ihren unversehrten Gliedern und Leibern, je nach ihrem Geschlecht. Die Guten leuchteten in Herrlichkeit und die Bösen erschienen schwarz, so daß man das Werk eines jeden an ihm wahrnahm. Und einige von ihnen waren mit dem Glauben besiegelt, manche aber nicht. So trug ein Teil der Besiegelten einen goldenen Glanz auf ihrem Antlitz, die andern gleichsam einen Schatten; das war ihr Kennzeichen.

Doch plötzlich flammte vom Osten her ein mächtiger Blitz auf. Und ich erblickte dort auf einer Wolke den Menschensohn mit demselben Antlitz, das er auf Erden trug, und mit offenen Wunden. Er kam mit den Chören der Engel und thronte auf einer Flamme, die glühte, aber nicht brannte. Unter ihm tobte ein gewaltiger Sturm zur Reinigung der Welt, und die Besiegelten wurden wie von einem Wirbelwind ergriffen, der sie ihm entgegen entrückte, dorthin, wo ich schon früher jenen Glanz erblickt hatte, der das Geheimnis des himmlischen Schöpfers versinnbildet. Dort wurden die Guten nämlich von den Bösen getrennt. Er aber beglückte mit einladender Stimme – wie das Evangelium deutlich zeigt – die Gerechten mit dem Himmelreich und die Ungerechten bestimmte er – wie dort ebenfalls geschrieben steht – mit schreckenerregenden Worten für die höllischen Qualen. Es erfolgte dort jedoch keine andere Befragung oder Antwort bezüglich ihrer Taten, als das Wort des Evangeliums bekundet, denn das Werk eines jeden, ob es nun gut oder schlecht gewesen war, trat öffentlich an ihm zutage. Die Unbesiegelten aber standen weitab in der nördlichen Gegend unter der Schar der Teufel und gelangten nicht vor dieses Gericht; sie sahen dennoch dies alles wie in einem Wirbelsturm. Sie erwarteten den Ausgang dieses Gerichts und seufzten bitterlich in ihrem Herzen.

Als so das Gericht beendet war, hörten Blitzen, Donnern, Winde und Unwetter auf, und was an den Elementen vergänglich war, verschwand plötzlich. Eine große Stille entstand. Dann eilten die Gerechten, die auf einmal noch mehr leuchteten als die Sonne, mit dem Sohn Gottes und den seligen Scharen der Engel in großer Freude zum Himmel, während die Verworfenen mit dem Teufel und seinen Engeln mit großem Wehgeschrei zum Ort der Hölle fuhren. Und so empfing der Himmel die Auserwählten und die Hölle verschlang die Verworfenen. Doch plötzlich entstanden solche Freude und so laute Lobgesänge im Himmel und so große Traurigkeit und lautes Heulen in der Unterwelt, daß es kein menschlicher Begriff mehr auszudrücken vermag. Und alsbald erstrahlten alle Elemente in größter Heiterkeit, als wenn ihnen eine schwarze Haut abgezogen worden wäre. So verbrannte das Feuer nicht mehr, die Luft war nicht mehr getrübt, das Wasser tobte nicht mehr und die Erde war nicht mehr vergänglich. Auch die Sonne, der Mond und die Sterne funkelten am Firmament in hellem Glanz und großer Schönheit wie kostbarer Schmuck und blieben unbeweglich auf ihrer Kreisbahn stehen, so daß sie nicht mehr Tag und Nacht schieden. Auf diese Weise war es nicht Nacht sondern Tag. Das Ende war da. Und wiederum hörte ich eine Stimme vom Himmel zu mir sprechen.

1. Zur Endzeit löst sich die Welt unter viel Unheil wie ein Mensch in der Todesstunde auf

Diese Geheimnisse zeigen die Endzeit an, in der die vergänglichen Zeiten mit jenem ewigen Licht vertauscht werden, das kein Ende nimmt. Die letzten Zeiten werden nämlich von vielen Gefahren erschwert werden und viele Anzeichen werden auf den Untergang der Welt hinweisen. Denn wie du siehst, wird an jenem Jüngsten Tag der ganze Erdkreis von Schrecknissen erschüttert und von Unwettern zerrüttet, so daß alles, was auf ihm hinfällig und sterblich ist, durch dieses Unheil das Ende findet. Denn da der Weltenlauf bereits vollendet ist, kann er nicht länger bestehen, sondern wird nach göttlichem Ratschluss zerstört. Wie nämlich ein Mensch, der seinem Ende entgegensieht, von vielen Krankheiten heimgesucht und niedergestreckt wird, so daß er sich in seiner Todesstunde sogar unter großem Schmerz vollends auflöst, so werden dem Ende der Welt große Widerwärtigkeiten voraneilen und sie an ihrem Ende unter verschiedenen Schrecknissen auflösen. Denn die Elemente werden dann ihre Schrecken zeigen, weil sie sie weiterhin nicht mehr ausüben können.

2. Alle Kreaturen geraten plötzlich in Aufruhr und alles Sterbliche in der Luft, zu Wasser oder auf der Erde gibt das Leben auf, und was hässlich an ihnen ist, vergeht

Allerdings werden bei diesem Ende die Elemente unter einem plötzlichen und unerwarteten Beben entfesselt, alle Menschen geraten in Bewegung, Feuer bricht aus, die Luft löst sich (in ihre Bestandteile) auf, das Wasser fließt über, die Erde wird erschüttert, Blitze zucken, Donnerschläge krachen, Berge werden gespalten, Wälder stürzen und alles Sterbliche in der Luft, zu Wasser oder auf der Erde gibt das Leben auf. Das Feuer bringt nämlich die ganze Luft in Bewegung und Wasser erfüllt die ganze Erde. Und auf diese Weise wird alles gereinigt und so verschwindet alles Hässliche auf der Welt, als ob es nie gewesen wäre, wie Salz zerfließt, wenn man es ins Wasser wirft.

3. Die Körper der Toten erstehen – wo immer sie sich befinden unversehrten Leibes, je nach ihrem Geschlecht

Und auf den göttlichen Befehl aufzuerstehen, verbinden sich augenblicklich die Gebeine der Toten – wie dir schon gezeigt wurde – an ihrem Ort, wo sie sich auch befinden mögen, und bedecken sich mit ihrem Fleisch, ohne jeden Aufschub. In größter Schnelligkeit werden sie wiederhergestellt, ob sie nun von Feuer, Wasser, einem Vogel oder einem wilden Tier verzehrt worden sind. Die Erde gibt sie auf diese Weise zurück, wie Salz aus dem Wasser ausgeschieden wird, denn mein Auge kennt alles und nichts kann vor mir verborgen werden. So erstehen alle Menschen mit Seele und Leib, ohne daß eines ihrer Glieder verkrüppelt oder abgeschnitten wäre, unversehrten Leibes und je nach ihrem Geschlecht in einem Augenblick. Die Auserwählten haben den Glanz ihrer guten Werke und die Verworfenen tragen die Schwärze ihrer unglückseligen Taten. So werden ihre Werke dort nicht verheimlicht, sondern sie erscheinen offen an ihnen.

4. Von den besiegelten und unbesiegelten Auferstehenden

Und einige von ihnen sind mit dem Glauben besiegelt, manche aber nicht, so daß das Gewissen der einen, die gläubig sind, durch Werke des Glaubens im Glanz der Weisheit funkelt, das der andern aber in der Finsternis ihrer Nachlässigkeit erscheint. Dadurch unterscheidet man sie öffentlich, denn jene haben den Glauben in Werken vollendet, diese jedoch haben ihn in sich ausgelöscht. Etliche aber tragen dieses Zeichen des Glaubens nicht, denn diese wollten weder unter dem alten Gesetz noch in der neuen Gnade die Erkenntnis des lebendigen und wahren Gottes besitzen.

5. Der Sohn, dem der Vater die Gewalt gegeben hat, Gericht zu halten, wird in menschlicher Gestalt zu Gericht kommen

Und dann wird der Sohn Gottes in der Helligkeit des ewigen Lichts, aber dennoch in einer Wolke, durch die den Verworfenen die himmlische Herrlichkeit verhüllt wird, in der Gestalt seiner Menschheit und seines Leidens, das er nach dem Willen des Vaters für das Heil des Menschengeschlechts erduldete, von der himmlischen Heerschar umgeben, kommen, um dieses Menschengeschlecht zu richten. Denn der Vater hat ihm das übergeben, damit er das Sichtbare auf der Welt beurteile, weil er selbst sichtbar auf Erden gelebt hatte. So zeigt er es auch im Evangelium auf und spricht.

6. Das Evangelium darüber

"Er gab ihm die Vollmacht, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist." (Joh 5,27)
Das ist so: Der Vater legt Zeugnis ab von seinem Sohn. Was bedeutet das? Der Vater übergab dem Sohn die Vollmacht. Denn dieser bleibt immer in seiner Gottheit beim Vater, empfängt aber von der Mutter die Menschheit gemäß seines Menschseins. Der Vater verlieh ihm auch, daß die ganze Schöpfung ihn als Sohn Gottes erfährt, wie auch die ganze Schöpfung in der Erschaffung ihrer Gestalt als Gottes Geschöpf besteht. Und deshalb werden alle Werke vom Sohn beurteilt, wie beachtlich oder geringfügig sie auch sein mögen; und wie sie einzustufen sind, so stuft er sie ein, um gerecht zu beurteilen, was auf der Welt sichtbar war, weil er selbst auf Erden ein Mensch zum Anfassen und Sehen gewesen ist. Er erscheint nämlich in der richterlichen Gewalt furchtbar für dir Ungerechten, aber für die Gerechten gewinnend, und richtet sie so, daß auch die Elemente seine Reinigung zu spüren bekommen.

7. Die Besiegelten werden mühelos und schnell dem gerechten Richter entgegen entrückt und ihre Werke werden offenbar

Dann werden die, welche besiegelt sind, mühelos, ja in großer Schnelligkeit entrückt; denn weil sie treu an Gott glaubten, werden auch die Werke des Glaubens offen an ihnen in Erscheinung treten, und da Gottes Wissen auch ihre Taten bezüglich Gut und Böse kennt, wie dir schon gezeigt wurde, werden dort Gute und Böse getrennt, denn auch ihre Werke sind ungleich. Dort wird nämlich sowohl an den Bösen als auch an den Guten unfehlbar sichtbar, in welchem Maß sie Gott in der Kindheit, im Knabenalter, in der Jugend, im Alter oder am Lebensende gesucht haben.

8. Alle Blumen werden prangen: die Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, Mönche und andere Vorangestellte

Dort leuchten alle Blumen meines Sohnes, nämlich die Patriarchen und Propheten, die vor seiner Menschwerdung gelebt haben, die Apostel, welche mit ihm auf Erden wandelten, und die Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen und Witwen, die ihn gläubig nachahmten, und jene, die meiner Kirche sowohl in weltlichen als auch in geistlichen Belangen vorangestellt wurden, und auch die Einsiedler und Mönche, die sich in Züchtigung und Abtötung ihres Fleisches um des Namens meines Sohnes willen verächtlich machten, weil sie auch in großer Demut und Liebe durch ihr Gewand zeigten, daß sie die Ordnung der Engel nachahmen. Sucht man mich aber derart im beschaulichen Leben, daß man sagt: "Dieses Leben ist rühmlicher als jenes", so gilt das nichts vor mir; doch der mich demütig in jenem Wandel sucht, der durch die Eingebung des Heiligen Geistes geschenkt wurde, dem werde ich im himmlischen Vaterland die ersten Plätze zuweisen.

9. Wenn der Sohn den Urteilsspruch verkündet, nachdem die persönliche Gewissenseröffnung stattgefunden hat, enthalten sich die Himmel einstweilen schweigend ihrer Lobgesänge

Danach enthalten sich die Himmel einstweilen schweigend ihrer Lobgesänge, wenn der Sohn Gottes den Gerechten und Ungerechten den Urteilsspruch verkündet und sie mit größter Ehrfurcht zuhören, wie er sie beurteilt, wenn er den Gerechten freundlich himmlische Freude gewährt und die Ungerechten furchterregend in höllische Qualen schickt. Es erfolgt jedoch dort keine weitere Entschuldigung oder Befragung bezüglich ihrer Taten: Nur das Gewissen der guten und bösen Menschen liegt dort entblößt und offen.

10. Von den zu richtenden Guten und Bösen

Die Gerechten aber, denen die Worte des ganz gerechten Richters zuteil werden, haben zwar viele Werke der Gerechtigkeit getan, brachten sie aber, solange sie auf der Welt lebten, nicht zur vollkommenen Vollendung und werden jetzt darüber gerichtet. Die Ungerechten jedoch, welche dort die richterliche Strenge an sich erfahren, haben zwar böse Taten begangen, handelten aber dennoch nicht in Unkenntnis über die göttliche Majestät, d. h. in der Bosheit des schon vorher verdammten Unglaubens. Und deshalb entkommen sie dort nicht dem Urteilsspruch des Richters, weil allem das rechte Gewicht beigelegt werden muß.

11. Von den schon gerichteten Ungläubigen, die nicht vor Gericht gelangen

Die aber nicht mit dem Glauben besiegelt sind, weil sie nicht an Gott geglaubt haben, stehen in der nördlichen Gegend, d. h. in der Region der Verdammung, halten sich inzwischen bei der Schar der Teufel auf und gelangen nicht vor dieses Gericht. Sie sehen es dennoch schattenhaft und ersehnen sein Ende mit vielem innerem Seufzen. Sie haben nämlich auf ihrem Unglauben beharrt und den wahren Gott nicht erkannt, weil sie weder vor der Taufe den lebendigen Gott im alten Bund verehrten, noch unter dem Evangelium das Heilmittel der Taufe empfingen. Sie verharrten vielmehr unter dem Fluch von Adams Fall und zogen sich die Qualen der Verdammung zu. Daher trifft man sie im Unglauben ihrer Vergehen schon gerichtet an.

12. Nach beendetem Gericht entsteht größte Ruhe und Stille

Wenn so das Gericht beendet ist, hören die Schrecknisse der Elemente und Blitze, Donnerschläge und Stürme in den Gewittern auf und alles Hinfällige und Vergängliche vergeht und erscheint nicht wieder, wie Schnee keinen Bestand hat, der von der Hitze der Sonne zerschmilzt; so entstand auf göttliche Anordnung größte Ruhe und Stille.

13. Die Auserwählten empfängt unter lautem Lobgesang die Herrlichkeit der Ewigkeit, doch die Verworfenen verschluckt die Unterwelt unter großem Geheul

Und so gelangen die Auserwählten im Glanz der Ewigkeit zusammen mit ihrem Haupt, nämlich meinem Sohn, und mit der ruhmreichen himmlischen Heerschar in großer Herrlichkeit zu den himmlischen Freuden und die Verworfenen kommen mitsamt dem Teufel und seinen Engeln in großer Beschämung (an den Ort) der ewigen Strafen. Dort werden sie fortwährend vor Augen haben, daß ihnen der ewige Tod bereitet ist, weil sie lieber ihren Begierden als meinen Geboten folgten. Und so nimmt der Himmel die Auserwählten in die Herrlichkeit der Ewigkeit auf, weil sie den Beherrscher der Himmel geliebt haben. Und die Hölle verschlingt die Verworfenen, weil sie den Teufel nicht fahren ließen. So ertönt in der himmlischen Herrlichkeit vor lauter Freude ein so lauter Lobgesang und in der Unterwelt vor lauter Seufzen ein so großes Wehgeschrei, daß es kein menschlicher Sinn mehr fassen kann; denn jene gehen zum ewigen Leben ein und diesen wird der ewige Tod zuteil, wie mein Sohn im Evangelium sagt und spricht.

14. Das Evangelium darüber

"Und diese werden zur ewigen Pein eingehen, die Gerechten aber zum ewigen Leben." (Mt 25,46)
Das ist so: Die den üblen Geruch ihrer Buhlerei mit allem Schlechten an sich tragen und nicht danach dürsten, in der höchsten Güte Gerechtigkeit zu schöpfen, werden auf dem Weg ihres Unglaubens und ihrer Schlechtigkeit in die Strafen des ewigen Verderbens gestürzt und empfangen höllische Qualen gemäß ihren Taten. Die Erbauer des strahlenden himmlischen Jerusalem aber, die gläubig vor den Pforten der Tochter Sion stehen, werden im Licht des ewigen Lebens aufleuchten, das die allerreinste Jungfrau in der Fruchtbarkeit ihrer Jungfräulichkeit den Gläubigen wunderbar gebracht hat.

15. Wie sich die Elemente, die Sonne, der Mond und die Sterne nach beendetem Gericht zum Besseren wandeln und es keine Nacht mehr geben wird


Und wie du siehst, werden die Elemente, nachdem dies alles geschehen ist, in größter Klarheit und Schönheit erstrahlen, d. h. alle hinderliche Schwärze und Schmutzigkeit ist verschwunden. Das Feuer wird dann nämlich ohne Glut wie Morgenrot schimmern und die Luft ohne Trübung ganz rein und glänzend sein; das Wasser wird ohne heftigen Erguss und Überfließen durchsichtig und ruhig daliegen und die Erde wird ganz unverwüstlich und ohne Verunstaltung fest und eben erscheinen, wenn das alles in große Ruhe und Schönheit übergegangen ist. Doch auch die Sonne, der Mond und die Sterne werden wie kostbare Edelsteine auf Goldhintergrund sehr klar und mit großem Glanz am Firmament schimmern und nicht mehr auf ihrer unruhigen Kreisbahn Tag und Nacht zu trennen haben. Denn am Weltende sind sie nunmehr unbeweglich, so daß von jetzt an keine nächtliche Finsternis erscheint, weil der Tag dann nicht zu Ende geht; so bezeugt und spricht auch mein geliebter Johannes.

16. Worte des Johannes darüber

"Und es wird keine Nacht mehr geben und sie benötigen kein Lampen- und Sonnenlicht, weil Gott der Herr ihnen leuchtet." (Offb 22,5)
Das ist so: Wer einen Schatz besitzt, verbirgt ihn zuweilen und bringt ihn zuweilen auch zum Vorschein, wie auch die Nacht das Licht verdeckt und der Tag die Finsternis verscheucht und den Menschen Licht bringt. So wird es beim Übergang der Zeiten (in die Ewigkeit) nicht sein. Denn dann wird der Schatten der Nacht verscheucht, so daß von nun an keine nächtliche Finsternis mehr auftritt, denn auch jene umgewandelte Welt benötigt nicht mehr jenes Licht, das sich die Menschen anzünden, um die Schatten der Finsternis zu vertreiben. Es hängt auch dann nicht vom Sonnenstand ab, der sogleich jene Zeiten beeinflußt, die dem Schatten gehören. Denn dann wird der Tag ohne irgendwelche Veränderung bestehen, weil jetzt auch der Herrscher über alles mit dem Licht seiner Gottheit, das keine Veränderlichkeit verdunkelt, die erleuchtet, welche auf Erden durch seine Gnade die Finsternis vertrieben haben. Wer aber scharfe Ohren zum inneren Verständnis besitzt, lechze in leidenschaftlicher Liebe zu meinem Abbild nach diesen Worten und schreibe sie ins Gewissen seiner Seele ein.