VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 85 -


   
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Als alles fertig dasteht, da haben alle eine rechte Freude daran. Aber einer, so ein Skrupelheld, macht die Bemerkung und sagt: ,Aber liebe Freunde, das Leben auf der Erde ist denn doch wohl allenthalben nahezu gleich. Dort in den kultivierten Ländern Europas, wo stolze Könige herrschen und starke Armeen halten, braucht man eigentlich hauptsächlich die Zunge in den Zaum zu legen und hat dann weiter keinen Feind mehr zu fürchten. Und hat man sich einmal willig in die Gesetze gefunden und sie zum eigenen Willen gemacht, so kann man allenthalben unter dem Schutz der Machthaber frei herumwandeln. Wir aber sind hier aller Machthaber und aller Gesetze ledig und können gottlob reden, wie uns die Zunge gewachsen ist. Aber was nützt uns das alles nun? Wir haben wohl keine Steuern mehr zu entrichten, aber dafür müssen wir den ganzen Tag hindurch fleißig arbeiten und die Früchte, die diese Gegend trägt, fleißig einsammeln und uns an ihre Natur erst angewöhnen. Auch müssen wir uns hier im Land der vollsten Freiheit selbst förmlich einkasteln, um vor den möglich vorkommenden Feinden gesichert zu sein. Ja, zur Nachtzeit müssen wir uns stärker verbarrikadieren als die ärgsten Staatsaufwiegler von Paris! Saget selbst, ob wir nun bei unserer sicher absolutesten Freiheit auch nur um ein Haar besser daran sind als der geringste Tagwerker unter der absolutesten Regierung in Europa? Wir sind hier vollkommene Kommunisten; aber die heulenden wilden Bestien draußen scheinen auch von einem höchst kommunistischen Geist beseelt zu sein! Wir haben kein Staatsgesetz mehr außer das Gesetz unserer gegenseitigen Freundschaft. Dafür aber müssen wir unausgesetzt arbeiten, um das Begehren unseres Magens zu befriedigen. Und unsere Hände sehen nun schon aus, als wären sie mit einer Eichenrinde überzogen. Wir haben hier auch keine lästigen Beamten zu erhalten, aber dafür brauchen wir selbst desto mehr. Auch ist hier kein Pfaffe, der uns die Hölle heiß machte; aber dafür befinden wir uns hier in einem Zustand, vor dem die Hölle eben nicht gar zu viel voraus haben dürfte! Was wollen wir sonach tun, um unser irdisches Plageleben ein wenig zu würzen und für die Folge erträglicher zu machen?`
 
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