VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 136 -


   
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Spricht der Franziskaner: ,,Herr Graf, Sie fassen die Sache allzu behutsam auf! Ich sage, man muß die Worte Gottes nicht so buchstäblich nehmen, da doch die ganze Schrift nur eine bildliche Darstellung der höheren Moral ist, wie sie ein vollkommener Mensch haben soll. Unter dem Lampenöl wird hauptsächlich die wahre Liebe zu Gott verstanden und unter dem Licht der Lampe die aus der Liebe entspringende Weisheit. Die törichten Jungfrauen aber hatten keine Liebe und wollten die Liebe auch den anderen nehmen. Diese aber waren klüger und ließen sich nicht verführen. Sie beschieden die Liebelosen hinaus in die Welt, daß sie sich das Liebeöl dort holen sollten. Und die Lieblosen gingen und holten sich ihre Lampen, oder besser ihre Herzen, voll Weltliebe-(Öl). Als sie mit der Weltliebe in des Bräutigams Haus zurückkehren wollten (in dem wir uns hier nun schon seit geraumer Zeit, wie ich mir's nicht ohne Grund nunmehr vorstelle, befinden) - oder noch besser: als sie ohne wahre Liebe zu Gott ankamen und Einlaß ins Himmelreich verlangten, kann zu ihnen die Gottheit doch kaum etwas anderes gesagt haben als: ,Ich kenne euch nicht mit dieser eurer Liebe, die Ich nie als die Meine bestimmt habe! Gehet also dahin, woher eure Liebe ist!` - Sehen Sie, lieber Herr Graf, so verstehe ich diesen und noch manchen anderen Text. Und so verhält sich's auch. Und so meine ich denn, daß der Herr Graf der Gottheit gar zu viel Härte ansinnen. Setzen wir uns alle darüber hinaus und ergreifen die angebotene Hilfe! Wahrlich, uns kann es nicht so arg ergehen - das sagt mir mein Herz!"
 
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