PREDIGTEN DES HERRN

- 34. Predigt -
Am 8. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom ungerechten Haushalter


 
D
ieses Evangelium handelt von einem ungerechten Verwalter, welcher, nachdem sein Herr von seiner Untreue unterrichtet worden war, sich doch wenigstens die Hintertür sichern wollte, damit er nicht, der Not ausgesetzt, zum Darben verdammt würde oder durch schwere Handarbeit sein täglich Brot verdienen müsse.
 
2
Ich sagte dies Gleichnis den Pharisäern und Schriftgelehrten deswegen, weil sie am meisten dem Gelde oder dem Mammon huldigten und, um dasselbe in Fülle zu erwerben, sich keines Mittels schämten, ihren Zweck zu erreichen.
 
3
Was in diesem Gleichnis der ungerechte Haushalter getan hat, nämlich daß er Schuldverschreibungen seines Herrn von den Schuldnern auf die Hälfte herabsetzen ließ, um sich bei ihnen in größere Gunst zu setzen, das taten auch die Pharisäer in ihren Religionsgesetzen, indem sie den Reichen die Befolgung derselben erleichterten, wenn diese sehr gut dafür bezahlten. So waren sie mit den Armen streng und mit den Reichen nachsichtig, wie es eure Priesterschaft noch heute ist.
 
4
Die Lehren, welche Ich Meinen Jüngern gab: Meine Mahnung, sich mittels des Mammons Freunde zu erwerben, auf daß sie im Notfall nicht zu darben brauchen; dann der nächstfolgende Vers: ,,Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht!"; ferner: ,,So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhafte anvertrauen?"; und ferner: ,,So ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?"; wie auch der folgende Vers: ,,Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder umgekehrt!", was geistig auch heißt: ,,Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!"; - alle diese Verse enthalten, mit nur wenig Unterschied, das gleiche; nur der neunte Vers steht in scheinbarem Widerspruch mit den folgenden, weil dort angeraten wird, sich mit dem Mammon Freunde zu machen, auf daß im Falle der Not eine Freundeshand uns unterstütze, während in den anderen Versen gerade mehr darauf hingewiesen wird, daß man nicht zwei Herren dienen könne, und im dreizehnten Vers es sogar deutlich gesagt ist: ,,Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!" Denn wie kann sich jemand mit dem Mammon Freunde erwerben und dabei Gott dienen?
 
5
Ihr seht, hier bestehen dem Scheine nach Widersprüche; denn Gott und der Mammon, d.h. die materielle Welt, ihre Schätze und ihre Genüsse, sind doch gewiß entgegengesetzte Dinge, und es ist ganz natürlich, daß derjenige, der dem Mammon oder der Welt huldigt, nicht ebenfalls Gott lieben und Seinen Lebensregeln folgen kann.
 
6
Um die Widersprüche zu lösen, wollen wir diese Verse etwas näher betrachten und versuchen, trotz ihres scheinbaren Gegenüberstehens das gemeinsame Bewegen nach einem Ziel nachzuweisen.
 
7
Seht, wenn Ich in diesem Gleichnisse sagte, daß der schlechte Haushalter die Schuldverschreibungen seines Herrn bedeutend herabsetzen ließ, so bedeutet das geistig eigentlich nichts anderes, als daß die Fehler des Menschen, welche er gegen Mich als höchstes Wesen begangen hat in Rücksicht auf seine eigene Natur und auf die Verhältnisse, in welchen er leben muß, milder betrachtet werden. Wollte Ich ohne diese Berücksichtigung eure Taten beurteilen oder euch gar bestrafen, so stünde es wohl sehr schlecht um die ganze Menschheit. Das Ende müßte eine zweite Vernichtung des ganzen Menschengeschlechts, wie einst bei der Sündflut sein. Die Menschen wieder neu erschaffend, müßte Ich sie - wollte Ich nicht, daß sie in dieselben Fußstapfen fielen - zu Maschinen, aber nicht zu freien Menschen machen.
 
8
Wenn es heißt: ,,Erwerbt euch Freunde mit dem Mammon!", so will das soviel sagen als: Erleichtert dem mit Sünden und Gewissensbissen Beladenen seine Last! Stellt ihm vor, daß seine Schuld gegen Mich zwar groß ist, aber von seiner Seite nicht als untilgbar angesehen werden soll! Beweist ihm, daß der Mensch ohne die Welt nicht auf Erden leben kann, sondern daß er mit seinen Nebenmenschen leben muß; nur soll er das Gute wirken, soviel in seinen Kräften steht, wenngleich er durch schlechte Einflüsse daran gehindert werden sollte. Lehrt ihn, daß er Mich nicht als höchsten, strengen Richter, sondern als liebenden Vater ansehen soll, welcher bei Vergehungen wohl weiß, wieviel eigene Schuld und wieviel Schuld der Welt in Anrechnung zu bringen ist!
 
9
Auf diese Art macht ihr selbst den Beunruhigten ihre Last leichter und versöhnt sie mehr mit der Welt, der sie sich vielleicht aus zu großem Eifer entziehen wollten. Indem ihr ihnen, sie so tröstend, guten Rat erteilt, entspricht euer Handeln den Worten: ,,Machet euch Freunde mit dem Mammon!" So gewinnt ihr die Herzen anderer, welche auf anderen Wegen, vielleicht verzweifelnd, entweder sich der Welt ganz in die Arme geworfen hätten oder an Gott, Ewigkeit und sogar an der Existenz ihrer eigenen Seele verzweifelt wären.
 
10
Der nächste, zehnte Vers, welcher besagt, daß derjenige, der im Geringsten treu ist, es auch im Größten sein wird, bedeutet: Wenn ein Gläubiger es einmal erfaßt hat, daß er mit seinen schwachen Kräften der Welt widerstehen kann, indem er sich von ihr nicht verleiten läßt, sondern allem nur den Wert zuerkennt, den es eigentlich hat, so wird er sich durch materiellen Glanz nicht blenden lassen und, sollten ihn die Verhältnisse einst weltlich höher stellen, auch dann seine Treue in bezug auf seine Grundsätze bewahren, wie er es bei geringen Kräften und in beschränktem Wirkungskreise früher ebenfalls getan hat.
 
11
Das bestätigt auch der zwölfte Vers; denn das ,Fremde` bedeutet eure materielle und das ,Eigene` eure geistige Bestimmung. Sich ganz dem einen oder dem andern hinzugeben, ist natürlich nur dann möglich, wenn man das eine ganz hintansetzt und nur dem andern huldigt (was besagen will, daß man nicht zwei Herren dienen kann), während es doch angängig ist, daß man das eine benutzen kann, um im andern seinen Zweck vollends zu erreichen. Nur so ist es möglich, daß Menschen sich Mir nähern und ihre geistige Vervollkommnung anstreben können, nämlich wenn sie, wohl in der Welt lebend, diese und alle ihre Reichtümer und Schätze benützend, doch keinen andern Zweck im Auge haben, als durch weise Anwendung des ihnen Anvertrauten dem Nächsten und durch ihn Mir selbst am meisten zu beweisen, wie sie Meine zwei Liebesgesetze aufgefaßt haben.
 
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Das nachfolgende Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus sollte Meinen Zuhörern noch mehr zeigen, welche Folgen es hat, wenn man sich dem Mammon ganz hingibt, statt ihn zu geistigen Zwecken zu verwenden. Es sollte ihnen zeigen, daß auf diese Art der eine seinen Lohn schon auf Erden empfängt, während dem andern die Vergeltung für ein anderes, und zwar längeres Leben aufgespart wird, und daß das eine Leben von kurzer, das andere aber von ewiger Dauer sein wird. Der Weg zur Seligkeit wird dem weltlich Gesinnten ebenso unmöglich sein - außer aus seinem Innern heraus - wie dem schon Guten der Rückschritt zur Welt.
 
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Daß der Reiche in seiner Qual gebeten hatte, wenigstens seine Brüder zu retten, worauf Abraham ihm antwortete, daß den, der seiner Religion und ihren Grundsätzen nicht glaubt, auch die Toten - kehrten sie auf die Welt zurück - nicht bekehren würden, will sagen, daß diejenigen, welche sich der Welt oder dem Mammon ganz hingegeben haben, wenig darauf achten würden, wenn selbst überirdische Einflüsse bei ihnen sich geltend machten, weil sie, selbst zu niedrig gesinnt, das Überirdische längst als nicht bestehend ansehen und durch Taten und Worte verleugnet haben.
 
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Aus dem ganzen Evangelium vorn ungerechten Haushalter geht also hervor, daß ihr Menschen - und besonders auch ihr, welche Ich mehr als andere in Meine Schöpfungsgeheimnisse und in Meine Lehre einführen will -, wollt ihr euch Freunde und Mir Kinder erwerben, ihr vorerst nicht durch zu überspannte Anforderungen den andern den Weg erschweren dürft, und daß ihr selbst bei euch, wenn ihr fehlet, es Meiner Gnade überlassen sollt, inwieweit Ich euch eure Fehler anrechne oder nicht.
 
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Das Zuviel ist in keiner Hinsicht von Nutzen, sondern überall nur schädlich. Ihr müßt euch und andern den Weg zu Mir nicht erschweren, nicht Meine Geister sein wollen, während ihr noch schwache Menschen seid! Dieses Streben verträgt eure menschliche Natur nicht. Ihr könnt doch ganz Liebe für Mich, ganz Liebe gegen euren Nächsten sein und mitten in dem weltlichen Treiben eure sittliche Reinheit bewahren; ihr könnt Mir ganz dienen, ohne der Welt den Rücken wenden zu müssen.
 
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Seht ihr denn nicht, wie Ich selbst die weltlichen Ereignisse benütze, um die Menschheit geistig zu erziehen? Ich selbst verachte nicht und kann nicht hassen, was Ich selbst geschaffen habe; nur ist dies der Unterschied, daß alles Gebaren der Menschen, so schlecht es auch von seiten des einen oder andern sein mag, Mir doch zur geistigen Vervollkommnung Meiner Kinder und der gesamten Menschheit dienen muß.
 
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So wie Ich als höchster Richter und Regent verfahre, so sollt auch ihr tun! Ihr sollt die Umstände, Verhältnisse und Zusammenhänge, die euch auf eurem Lebensweg begegnen, ebenfalls so benutzen, daß ihr am meisten durch die Taten an euren Nebenmenschen Meinen Zweck fördern helft. Dann ist es nicht nötig, Verstorbene heraufzubeschwören - wie der Reiche im Gleichnis glaubte, verlangen zu sollen -, wenn ihr Lebenden die besten sichtbaren Zeugnisse dafür seid, daß mitten im Weltgetümmel die menschliche Seele, eingedenk ihrer hohen Mission, nicht zwei Herren, sondern nur einem Herrn, und zwar dem Herrn des ganzen Universums, nämlich Mir allein, dienen kann, ohne die Verhältnisse unbenützt zu lassen, die wohlweislich nur dazu da sind, um die große Aufgabe der Menschenkinder zu beschleunigen und glorreich zu Ende zu führen.
 
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So erseht ihr aus einem Gleichnis, in dem die Ungerechtigkeit als Beispiel dient, wieviel Nutzen selbst aus Umständen gezogen werden kann, die dem Anscheine nach schlecht sind, deren Endresultat aber das Herrlichste ist, das Ich als Gott, als Jesus angestrebt habe, und das ihr als Meine Kinder mit vollenden helfen sollt! Amen.