DIE NATÜRLICHE SONNE

Mitteilungen über unsere Sonne und ihre natürlichen Verhältnisse

- Kapitel 69 -


   
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Damit ihr aber die Identität solcher Angaben einsehen möget, so will Ich euch auch in diesem Falle mit einem anschaulichen Bilde zu Hilfe kommen. - Wie stellt ihr euch etwa die Stadt Bruck vor? - Ihr saget: Also, wie wir sie noch allzeit gesehen haben. - Ich frage euch wieder: Wo könnt ihr euch denn das vorstellen? - Ihr werdet sagen: Fürs erste in uns, das heißt durch die Kraft unserer Einbildung und Rückerinnerung an das naturmäßige Standbild dieser Stadt. - Gut, sage Ich. Seid ihr bei dieser Vorstellung in euch auf einen bestimmten Platz angewiesen, oder seid ihr im Geiste genötigt, diese Stadt euch gerade nur da vorzustellen, wo sie sich befindet? Ihr könnet im Geiste diese Stadt doch sicher in jede beliebige Entfernung versetzen. - Nun seht, wir haben unterdessen genug und wollen die Sache weiter verfolgen. - Wenn es, von innen aus betrachtet, für den Geist so gut wie einerlei ist, wo er sich diesen Ort vorstellen will, und ihm diese Vorstellung auch allzeit nur dieselbe Mühe kostet, da fraget dann euern Geist, welchen Unterschied er wohl zwischen den angegebenen Entfernungen findet? - Wird er für das sieben Meilen entfernte Bruck, um sich dasselbe irgendwo vorzustellen, wohl weniger Zeit bedürfen als zu einem hundert Meilen entfernten? - Wer nur einigermaßen die große Fertigkeit seiner Gedanken kennt, der wird doch schon in sich die Erfahrung gemacht haben, daß er keinen Unterschied findet, sich die Entfernung einer Meile und gleich daneben eine Entfernung von mehreren Trillionen Meilen zu denken. Wenn solches aber für den ,,Geist", oder ,,von innen aus betrachtet", vollkommen eines und dasselbe ist, so wird es ja doch auch klar sein, daß all die Dinge von innen aus betrachtet, wie sie von einem und demselben Punkte ausgehen, also auch in einem und demselben Punkte ein und dasselbe sind.
 
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Betrachtet zum Beispiel den Baum des Lebens oder das geschriebene Wort, sowohl des Alten als des Neuen Testaments: wie viele tausend Äste, Zweige und Wurzeln möget ihr wohl an demselben erkennen? - Nicht eine Wurzel, nicht ein Ast, nicht ein Zweig sieht dem andern ähnlich. Dem Äußern nach scheint sich alles zu widersprechen. Lehrsätze über ein und dasselbe lauten verschieden. Prophetische Voraussagen über ein und dasselbe Ereignis sind von verschiedenen Propheten auch verschieden bezeichnet. Sogar die vier Evangelisten erzählen ein und dieselbe Sache mit anderen Worten und unterscheiden sich auch in verschiedenen Zahlenangaben. Ja sogar manche Orte geschehener Tatsachen werden häufig nicht völlig übereinstimmend bezeichnet, und so variieren auch nicht selten die Zahlen der Zeit. - Wer nun von der äußerlichen Anschauung auf den innern Zusammenhang kommen will, der wird den Weg doch sicher verfehlen und wird das Zentrum so schwer treffen, wie jemand, der von außen einen Baum anbohren und behaupten möchte: wie er da den Bohrer angesetzt habe, so müsse er damit bis zum Kerne dringen. So er aber hernach den Gang seines Bohrers untersuchen wird, da wird sich doch sicher zeigen, daß er mit seinem Bohrer den Kern um mehrere Zoll verfehlt hat. - Wenn er aber den Baum eher spaltet und bohrt dann vom Kerne nach außen, wird er da wohl möglicherweise je die Rinde verfehlen können? - Warum denn nicht? - Weil im Kerne alles in eins zusammenläuft. - Aber im Äußern ist der Kern durchaus nicht zu finden. Es könnte jemand nur, wie ihr zu sagen pflegt, durch einen blinden Zufall mit seinem Bohrer das Zentrum treffen. Was wird ihm aber solches wohl nützen? Wird er darum nun imstande sein, bei jedem Baume, den er wieder anbohrt, das Kernzentrum zu treffen?
 
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