DIE NATÜRLICHE SONNE

Mitteilungen über unsere Sonne und ihre natürlichen Verhältnisse

- Kapitel 65 -
Innerliche, tatfreudige Religion auf dem Miron. - Zeugung und Totenbestattung. - Sternkunde als Mittel der Gotteserkenntnis


 
B
ei den Bewohnern dieses Planeten gibt es durchgehends keinen zeremoniellen sogenannten Gottesdienst; und ihr ganzes Religionswesen hat nichts anderes aufzuweisen als allein die innere Erkenntnis eines Gottes.
 
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Sie haben sogar keine Gebete, sondern an deren Statt die alleinige innere Bildung des Geistes, durch welche sie in alle ihre sonstige Wissenschaft und Weisheit geleitet werden. Sie sagen: Einen Gott mit Worten anbeten ist läppisch, eines unsterblichen Menschen unwürdig und einem allerhöchsten Gott unwohlgefällig. Wer aber in seinem Geiste die wahre Bestimmung seiner selbst erkannt hat und derselben zufolge lebt, der ist Gott angenehm. Und das beste Gebet und die größte Ehre, die wir Gott erweisen können, ist es, so wir der Bestimmung gemäß leben, die Er in uns gelegt hat und uns allzeit getreulich in uns selbst finden läßt. - Sehet, das ist aber auch schon das Ganze ihrer Religion, oder: nach diesem Grundsatze leben und handeln die Menschen dieses Planeten; und dieses Leben und Handeln ist der eigentliche Gottesdienst, den sie allezeit begehen.
 
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Darum haben sie auch keine eigentlichen Feiertage, sondern ein jeder Tag ist bei ihnen ein solcher. Denn sie sagen: An so viel Tagen wir leben, an ebensoviel und an denselben Tagen leben wir aus Gott. Darum soll in den Tagen kein Unterschied sein, und es soll keine Stunde geben, in der wir Gottes weniger eingedenk sein sollen als in einer andern und darum auch in keiner mehr als in einer andern. Denn wie wir vom Eingange in diese Welt bis zum Ausgange aus derselben ein beständig fortwährendes Leben haben, und wie wir nicht sagen können, daß wir in einer Stunde weniger oder mehr leben, also sollen wir auch in einer oder der andern Stunde nicht mehr oder minder andächtig sein als in einer gewöhnlichen Stunde unseres Lebens. -
 
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Ferner sagen sie noch, weil es hier und da auch manchmal eigentümliche Andächtler gibt: Was nütze es dem Menschen, so er zu Zeiten mit seinem Munde gewisse Gebete herlallen und wieder andere Zeiten davon ruhen möchte? Sollte denn Gott, der beständig Heilige, nur zu gewissen Zeiten von unserer menschlichen Seite einer Verehrung würdig sein und zu anderen Zeiten wieder nicht? Wie würde sich solches wohl vertragen mit einem reinen Geiste, der da erkennet, daß Gott allzeit gleich heilig ist und daher auch allzeit gleich von dem Menschen durch sein ganzes Tun und Lassen verehrt werden soll? - Was sollte unsere ohnmächtige Zunge allein, - als wäre sie der alleinige Teil des Menschen, der Gott die Ehre geben könnte? So wir aber dem ganzen Wesen nach von Ihm erschaffen sind, sollen wir darum nicht auch dem ganzen Wesen nach und allezeit Gott die Ehre geben? - Ja, solches ist recht und des Menschen allein würdig. Daher handeln wir, wie wir zu handeln in unserem Geiste die ewige Bestimmung finden. Wer also handelt, der handelt allzeit der göttlichen Ordnung gemäß. Wer aber der göttlichen Ordnung gemäß allzeit handelt, so wie er dieselbe erkennt in sich, der ist es, der mit seinem ganzen Wesen in jedem Augenblick seines Lebens Gott die gerechte Ehre gibt. -
 
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Sehet, wenn ihr die Religionsgrundsätze der Bewohner dieses Planeten nur ein wenig in euch beachtet, so werdet ihr auch das verstehen, wovon Paulus spricht, indem er sagt: ,,Betet ohne Unterlaß!" - Denn wer nach Meiner Ordnung lebt und darum Meine leichten Gebote hält, der ist es ja, der da betet oder Mir die Ehre gibt - ohne Unterlaß. Wer aber da meinet, er müsse Tag und Nacht mit seinen Lippen wetzen, der ist entweder ein Narr, oder er ist ein Betrüger. Denn es ist ja doch oft genug in der Schrift erwähnt, in was für einem Ansehen lange Lippengebete bei Mir stehen.
 
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Wie sonach ein jeder Mensch auch auf dieser Erde leben sollte, also leben in unserm Planeten Miron die Menschen mit höchst seltener Ausnahme. - Es gibt wohl auch hier und da mannigfaltige Abirrungen. Aber die Verirrten werden sobald von den Weisen zurechtgebracht, und es ruht ein Weiser nicht leichtlich eher, als bis er einen verirrten Bruder oder eine verirrte Schwester wieder auf den rechten Weg gebracht hat. - Die Verirrungen in diesem Planeten aber sind nie von so grober Ausartung wie bei euch. Die meisten sind im Bereiche der Meinungen zu finden, welche sich aber mit viel leichterer Mühe wieder berichtigen lassen, als bei euch die großen Ausartungen auf dem Wege der blindesten Selbstsucht.
 
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Wenn ihr aber schon auf dem Felde der Religion etwas Zeremonielles haben wollt, so möget ihr dazu die Zeugung des Menschen und dann endlich das Hinscheiden desselben für eine solche religiöse Zeremonie betrachten.
 
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Denn die Zeugung geschieht alldort, wenn schon durch den Beischlaf, auf eine höchst erbauliche Art. Dieser Akt wird allzeit am Morgen vollzogen, und das nie im Hause, sondern in einem, auf einem benachbarten hohen Berge eigens zu diesem Behufe erbauten Tempel.
 
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Ebenso werden die Leiber der Verstorbenen auf einen andern hohen Berg gebracht, allwo sie dann unter einem wieder eigens erbauten Tempel auf dem Boden der Erde, mit den Gesichtern nach aufwärts gekehrt, gelegt und da mit abgemähtem Grase bedeckt werden, wodurch sie dann auch alsbald verwesen und im Verlaufe von etwa drei Tagen so ganz zunichte werden, daß da vom ganzen, großen Leichnam nicht mehr die allerleiseste Spur anzutreffen ist. - Solches wäre demnach ebenfalls als eine Zeremonie zu betrachten.
 
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Ihr Hauptgottesdienst und ihre vornehmlichste göttliche Verehrung aber besteht in der Musik und in der Astronomie. - Was die Musik betrifft, davon haben wir ohnehin schon umständlichermaßen gesprochen. Aber bezüglich der Astronomie bleibt uns noch so manches zu erwähnen übrig. Denn aus der Astronomie lernen diese Menschen Meine Allmacht und Größe und zugleich auch die überaus große Ordnung, welche darum in Mir sein muß, weil schon in der sichtbaren Welt alle die großen Werke in einer solch erstaunlichen Ordnung sich bewegen und miteinander verbunden s in d .
 
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Daß auf dem Felde der Astronomie vorzugsweise ihre Monde die Hauptaufmerksamkeit auf sich ziehen, läßt sich daraus leicht entnehmen, weil fürs erste die Bewohner dieses Planeten, zufolge ihrer großen Entfernung von der Sonne, von all den der Sonne näher stehenden Planeten nie etwas zu sehen bekommen, außer höchstens dann und wann den Uranus, - und weil dann ferner der ganze gestirnte Himmel außer ihren Monden nahe keine beweglichen Weltkörper aufzuweisen hat, außer höchst selten irgendeinen zaudernden Kometen, welcher aber in dieser Entfernung von der Sonne allzeit schweiflos und somit nur ganz unansehnlich erscheint.
 
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Das Merkwürdigste bei ihrer Mondesastronomie und zugleich ihren Geist sehr Beschäftigende ist, daß sie im Grunde nur drei Monde und doch wieder zehn Monde haben.
 
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Ihr werdet fragen: Wie ist dies wohl möglich? - Fürs erste sage Ich euch: Nichts leichter als das! - Wie aber? - Solches soll euch sogleich durch ein anschauliches Bild bekanntgegeben werden.
 
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Nehmet an, was ihr auch füglichermaßen annehmen könnt, daß die Sonne ein vollkommener Planet ist. Ist aber die Sonne ein vollkommener Planet, was sind demnach die Erdkörper als da zum Beispiel der Merkur, die Venus, die Erde usw.? - Ihr werdet sagen: Das sind Monde der Sonne. - Wenn Ich euch nun frage: Wieviel solche Monde hat denn die Sonne? - Da werdet ihr sagen: Merkur 1, Venus 2, Erde 3, Mars 4, Pallas, Ceres, Juno und Vesta 8, Jupiter 9, Saturn 10, Uranus 11 und Miron 12. - Nun aber sage Ich: Wieviel Monde hat die Erde? Ihr sagt: Einen. - Wieviel hat denn der Jupiter? - Ihr sagt: Vier. - Wieviel hat deren der Saturn? - Ihr sagt: Sieben. - Wieviel hat deren der Uranus: - Ihr sagt: Fünf. - Wieviel hat deren der Miron? - Ihr sagt: Nach der ersten Zahl drei. - Das gibt somit zusammen zwanzig Monde. - Was sind denn diese Monde hernach zur Sonne? - Ihr könnt unmöglich etwas anderes sagen als: Das sind Nebenmonde. - Gut! Mehr brauche Ich nicht! - Nun begeben wir uns wieder auf unsern Miron.
 
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Dieser etwas wunderbare Planet hat das Eigentümliche, daß sein erster Hauptmond ebenfalls noch zwei Nebenmonde hat, die sich um ihn bewegen und mit ihm erst gemeinschaftlich die Bahn um den Hauptplaneten machen - also wie euer Mond mit der Erde um die Sonne. - Der zweite und höher stehende Mond hat ebenfalls wieder zwei Nebenmonde und ist größer als der erste. - Der dritte Mond, als der höchste, hat sogar drei Trabanten oder Nebenmonde, wodurch er auch von den anderen zwei Monden leicht unterschieden wird, damit dann durch seinen Umschwung die euch schon bekannte Jahreszeit dieses Planeten berechnet wird. - Nun habet ihr das ganze, undurchdringliche Geheimnis gelöst vor euch!
 
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Aber, wird jemand sagen: Warum war denn nicht gleich in der anfänglichen, allgemeinen Andeutung davon die Rede? - Ich aber frage euch: Warum seht denn ihr mit freiem Auge die vier Trabanten des Jupiter nicht, sondern sie müssen zufolge der starken Entfernung jedem Beobachter mit dem Jupiter selbst wie auf einem Punkt zusammengeschmolzen erscheinen, und erst ein tüchtiges Fernrohr vermag diesen fünffachen Einpunkt also zu lösen, daß ihr dann sowohl den Planeten als auch dessen Monde gehörig voneinander abgesondert erblickt. - Ihr werdet sagen: Der Grund liegt in der Ordnung unserer Augen, derzufolge wir nicht selten eine fernliegende Vielheit als eine konkrete Einheit erschauen. - Und Ich aber antworte euch auf die frühere Frage: Ebenso liegt es auch in Meiner Ordnung, euch geistig noch fernliegende Dinge, wenn sie zusammengenommen ein Ganzes ausmachen, nur als ein Ding aufzuführen und dieses eine Ding erst dann in seine Mehrheit aufzulösen, wenn wir uns im Geiste demselben also genähert haben, wie allenfalls ihr euch dem Jupiter durch die Hilfe eines guten Fernrohres genähert habt. - Sehet, das ist demnach doch auch eine Ordnung und ist vollkommen gerecht bemessen nach Meinem Plan.
 
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Wenn euch Gelehrte eurer Erde sagen: Wir haben drei Nebelsterne entdeckt! -, haben diese Gelehrten richtig oder falsch gesprochen? - Ich sage euch: Richtig und falsch! - Denn richtig, weil sie wirklich nicht mehr als drei Nebelsterne entdeckt haben; falsch aber, weil ein jeder solcher Nebelstern nicht selten ein wahrhafter Trillionstern ist. Wie groß der Unterschied zwischen ,,drei" und ,,mehreren Trillionen" ist, brauche Ich euch nicht auseinanderzusetzen; und ihr müßt von selbst erkennen, wie irrig die Zahl drei sich gegen die Vielheit der entdeckten Sterne in diesen angegebenen drei ,,Nebelsternen" verhält.
 
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Ich meine aber nun: Diese angeführten Beispiele werden hinreichen, um darzutun, daß die Art und Weise, wie Ich ein oder das andere Ding nach und nach enthülle, eine sowohl naturmäßig als auch geistig vollkommen ordnungsmäßige ist.
 
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Nur dürften einige fragen: Aus welchem Grunde müssen denn bei dem Planeten Miron, wie sonst bei keinem andern, dessen drei Hauptmonde noch Nebenmonde haben? - Auf diese Frage will Ich so ganz eigentlich keine Antwort geben; sondern setze dieselbe nur bedingend an. - Wer solches aus gelehrt kritischer Lust wissen möchte, der beliebe Mir zuvor aus seinem Geiste darzutun, warum zum Beispiel die Planeten Merkur, Venus und Mars und die vier kleinen Planeten gar keine Monde haben? Warum hat der bei weitem größte Planet Jupiter nur vier Monde und der kleinere Planet Saturn nebst seinem Ringe sieben? - Wer Mir dieses gründlich dartun kann, dessen Geist will Ich auch die Ursache der Nebenmonde des Planeten Miron enthüllen.
 
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Unsere Sache aber ist vorderhand die Sonne und nicht eine speziellste Darstellung eines Planeten. Somit wissen wir von diesem Planeten auch hinreichend, was wir für unsern Zweck zu wissen notwendig haben, und wollen daher nicht mehr länger auf seinen Gefilden verweilen; sondern uns für ein nächstes Mal ungesäumt auf unsern siebenten Sonnengürtel zurückbegeben. - Und somit lassen wir die Sache für heute wieder gut sein!