HIMMELSGABEN - BAND 3

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

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Der Fels am Schloßberg


 

26. Juli 1840, 1/2 9 Uhr vormittags.

 
 
Der erzählende Fels befindet sich am Schloßberg zu Graz rechts vom gotischen Wohngebäude im vormals Dr. Gödl'schen Garten; man gelangt zu ihm durch ein Hinterpförtchen in der Nähe eines kegelförmigen Türmchens. Man überblickt von diesem Felsen aus die westliche Gegend von Graz. - Fünf Personen schrieben gleichzeitig, was der Fels aus Jakob Lorber sprach: C. L., S., And.h., D., Ans. H.
 
1
Nach der Rechnung der menschlichen Zahl war die Erde sieben Millionen Jahre vor der Schöpfung des Menschen gegründet und kreiste wirre in dem Raum um die mattschimmernde Sonne; sie war ein Wasserball, in dessen Mitte sich nach dem Willen des Schöpfers nach und nach eine feste Masse zu bilden anfing. Und diese feste Masse vermehrte sich durch die ihr innewohnende Anziehung mehr und mehr, so zwar, daß nach und nach schroffe, ungeteilte kristallartige Spitzen über die Oberfläche des Wassers zu ragen anfingen. Dadurch wurde die Erde immer schwerer und schwerer vermöge des Nahrungsstoffes, den sie aus der Barmliebe Gottes zog (doch, worin diese Kost bestand, ist es nicht an der Zeit kundzugeben).
 
2
Und als nun die Erde auf vielen und vielen Seiten anfing, in ihren Festen über die Fläche der Wasser zu ragen, da fingen Winde an zu wehen über dieselbe und fingen die Wogen an zu überspülen die harten Klippen, lösten dadurch Teile und Teile ab und setzten dieselben als weiche Teile in die Klüfte der großen Kristalle ab. Nun erst war die Erde nach und nach fähig zur Aufnahme der Vegetation der Kräuter, Gräser, Gesträuche und Bäume, und zwar zuerst derjenigen unter dem Wasser und dann erst derjenigen auf den Festen der Erde; welcher Alleinzustand des Pflanzenwachstums über siebzigtausend Jahre gedauert hatte. Dann erst begann die Schöpfung der untersten Tierklassen und sodann immer von 2000 bis 2000 Jahren eine Stufe höher, bis endlich die große Zeit zur Schöpfung des Menschen herankam, welche vielmehr eine Entbindung desselben aus der Materie war.
 
3
Jedoch nach dem Verlaufe von einigen Jahren wurde der Mensch Gottes Geboten ungehorsam, wodurch in dem Grimme der Gottheit die ganze sichtbare Schöpfung bis auf kleine Stücke der Erde beinahe gänzlich im Feuer und Sturme Gottes aufgelöst wurde, so daß vom Mittelpunkt der Erde bis zur Oberfläche derselben auch nicht ein Stein beisammenblieb, sondern zerbröckelt wurde in kleine und kleine Stücke. Und selbst diese Stücke würden vernichtet worden sein, wenn sie nicht von der Liebe zusammengehalten worden wären.
 
4
Da die erbarmende Liebe dann mit der Gottheit wieder eins wurde durch eine vermittelnde Darstellung aus ihrem innersten Grunde, so gefiel es der Gottheit wieder, aus dem unendlichen Welten-Chaos Welten und Erden und Sonnen zu bilden; jedoch behielt die ganze Schöpfung der Zerstörung deutlich leserliche Spuren und Merkmale an sich, wie ich euch mich hier in eurem Angesichte zeige. Jedoch eintausendachthundert und eben auch 40 Jahre nach der Schöpfung (des Menschen), gleich der Zahl nach der Menschwerdung des großen Gottes bis zu eurer jetzigen Zeit, seht, da war dieses Land oder vielmehr der ganze Erdteil, den ihr Europa nennet, noch größtenteils unter den stürmenden Fluten des Meeres begraben, - jedoch Gottes Liebe sah das Zukünftige in großer Klarheit vor sich und wußte wohl, daß von dieser Zeit an nach einer ebenso langen Zeit die Menschen sich sehr und sehr vermehren werden. Da zündete sie meilentief unter der Erde mit dem Feuer ihrer Liebe die Erde hie und da, größere und kleinere Teile derselben, und das Feuer brannte gewaltig und hob die festen Schichten, sie auseinanderreißend, in die Höhe. Und da das Feuer durch die innewohnende Kraft Gottes sich immer größere und größere Räume machte unter den Schichten der Erde, so arbeitete sich das Feuer an vielen Stellen furchtbar gewaltig bis zur Oberfläche herauf und schleuderte da Massen auf Massen über den Spiegel der Fluten und zwar nach allen möglichen Richtungen.
 
 

Wohlgemerkt, dieses geschah um die besagte Zeit, nämlich 1840 Jahre nach der Schöpfung des Menschen.

 
5
Und seht, wie ihr die Richtungen der Berge auf diesem Festlande jetzt sehet, so könnt ihr euch auch die verschiedenen Strömungen des unterirdischen Feuers denken; denn da zog die große Liebe des Herrn kreuz und quer in den Tiefen der Erde und bereitete für die zukünftigen Menschen eine fruchtbare Wohnstätte. Jedoch nicht gleich zur selben Zeit wie alle diese großen Erhöhungen, die ihr jetzt hier sehet allenthalben hoch über die Ebenen emporragen, habe ich meinen Ursprung genommen, sondern um beinahe tausend Jahre später, als die Überfülle der Wässer sich nach und nach in die geöffneten Tiefen der Erde verlor und an diesem Punkte, da ihr mich emporragen sehet, die Ebene nur noch mit dem Wasser überdeckt war.
 
6
Da befand sich 2000 Klafter tief unter der Erde noch ein festes Gestein, und es senkte sich die Liebe des Herrn auch in die Mitte desselben. Es war zwar nur ein kleiner Funke dieses göttlichen Kraftfeuers, aber er war stark genug, um diese Massen, wie ich bin vor eurem Angesichte, aus der Tiefe emporzuheben und sie in der gegenwärtigen Höhe über die Fluten ragen zu machen. Jedoch nicht auf einmal entstand ich, wie ich jetzt bin, sondern nach wiederholten solchen göttlichen Kraftausbrüchen. Freilich in kleinerem Maßstabe bin ich entstanden und zu stehen gekommen an der Stelle, da ihr mich sehet, wie auch dieser ganze Berg, von dem ich ein kleiner Teil bin, welchen Berg die Menschen jedoch vor nicht gar langer Zeit um einige Klafter niederer gemacht haben. Denn an der obersten Stelle ragten fast in einem Kreise sehr hohe und steile Felsen empor, welche später durch die Menschen zerstört wurden, um eine mehr ebene Oberfläche auf diesem Berge zu gründen. Selbst ich, ein unterer Teil des Berges - zwar noch von Urzeit hier stehend, habe so manches an meiner früheren Form sowohl durch die Zeit wie durch die Hände der Menschen erlitten; denn vor mehreren tausend Jahren spülten die Wogen des Meeres noch an meiner Stirn, ja es hauste sogar manches Ungetüm des Meeres in meinem Schoße.
 
7
Allein nach dem Willen des Schöpfers geschah in den Tiefen der mittäglichen Gegenden der Erde eine große Erhöhung des Festlandes auf dieselbe Art durch das Feuer der göttlichen Liebe aus der Tiefe der Erde. Seht, da sank dann das Meer allmählich in diesem Lande, so zwar, daß hier nur noch große Seen, die ihr Binnenmeere nennt, bestehen geblieben sind. Und sodann geschah es, nachdem diese Binnenmeere einige hundert Jahre bestanden hatten, daß der Herr aus Seiner barmliebevollen Fürsorge den einen ganzen mittägigen Teil, den ihr jetzt Amerika nennet, hat auf diese Art über die Fläche der Wässer treten lassen, daß diese Binnenmeere so hoch über die eigentliche Fläche des Meeres zu stehen gekommen sind, daß die Schwere der Wässer, die eine Sehnsucht nach ihrem Ursprunge hatten, sich den Weg durch die weicheren Teile der Berge zu öffnen anfing.
 
8
Und seht, da brausten dann, als die Wässer die Weichen der Berge zerrissen, 500 Jahre lang große stürmische Fluten an mir vorüber; denn was ihr jetzt das obere Land nennet, dort wurde in der Gegend, da ihr eine Brücke über den Fluß gemacht habt und auf dem Berge ein altes Schloß steht, ein Berg, der um 100 Klafter höher war, als er jetzt zu sehen ist, von der großen Masse des Wassers durchgebrochen. Die Fluten des Oberlandes ergossen sich dann in den großen See, dessen Fluten meinen Fuß umspült hatten und erhoben dieselben wieder bis an meine Stirne und mehrten das Wasser so sehr, daß ein Berg, der einige Stunden weit von hier im Unterlande - an dem ebenfalls später ein Schloß erbaut wurde und ein Markt steht - links und rechts zerrissen wurde. Und die Fluten bahnten sich den Weg auf die nämliche Weise fort und fort; wo immer sie einen Widerstand fanden, zerrissen sie die Weichen desselben und füllten mit denselben die Vertiefungen aus, die früher in dem Meere waren.
 
9
Wie hoch diese Fluten gegangen sind, werden euch noch überall die Spuren der losgelösten Steine zeigen, welche durch das untere Fortrollen eine gerundete Form angenommen haben. Die erste Flutung ging hoch über meinem Haupte, und erst nach einem Jahrhundert hat der Strom eine Niederung erhalten und ging dessen Spiegel bis zu mir herauf. Und wieder nach einem Jahrhundert fiel er so nieder, daß er nur ein Klafter über die ganze Ebene, die ihr von mir aus seht, von einem Berge zum andern ging. Und wieder nach einem Jahrhundert verlor sich der Strom so sehr, daß er nur die dreißigmalige Breite des gegenwärtigen Flusses hatte.
 
10
Und als auch die Berge vollkommen mit Bäumen und Gräsern bewachsen wurden, da verlor sich ein verfolgtes Menschengeschlecht in dieses Land und wohnte auf den Höhen, die da noch nicht Berge, sondern ,Tauren` hießen. Und als dieses Volk durch ein späteres nachziehendes entdeckt wurde, bekam es erst den Namen als Bergbewohner, welches Volk endlich wieder durch ein anderes, stärkeres Volk, welches vom Abende herkam, aus seinen Sitzen vertrieben wurde; und es blieben nur noch wenige auf den fast unzugänglichen Höhen wohnen bis auf die heutige Zeit. Und so ist heute schon ein drittes Volk mehr denn tausend Jahre in diesem Lande.
 
11
Jedoch ich, wie ich dastehe, war durch lange und lange Zeiten ein sehr gefürchteter und gefährlicher Punkt in diesem großen Strome, denn an mir arbeiteten die Fluten mutwillig und schienen furcht- und grauenerregend jedem, der mich von ferne anblickte. Und als später die Menschen des Oberlandes eine Art Schiffe erfunden haben, welche aus einigen aneinander befestigten Bäumen bestanden, da waren von denen nur wenige so glücklich, die nicht an meiner Stirne den Untergang gefunden hätten; denn obschon die Fläche des Stromes meinen Fuß bespülte, so schlugen aber doch dessen Wogen, den Sterblichen Grauen erregend, bis an meine Stirn empor. Und diese Gegend, die ihr jetzt so reizend und schön findet, war damals ein Schrecken den Menschen. -
 
12
Erst zu den Zeiten, als da eine große Stadt, Rom genannt, erbaut wurde, verminderten sich die Fluten des Stromes allmählich, und die Brandung an diesem kleinen Berge wurde immer geringer und geringer; und so verlor sich endlich das Wasser an meiner Morgenseite ganz und gar, und nur zu seltenen Malen erhob sich die Flut bis zur Höhe meiner Morgenseite, was ihr jetzt das ,Glacis` nennt. Und so bin ich denn dadurch - als auch das bis zu diesen Zeiten aus meinem Inneren hervorlodernde Feuer aufgehört hatte - den Menschen zugänglich geworden.
 
13
Da nun mein Scheitel frei war von allen Gesträuchen und Bäumen, so benützten mich die später in dieses Land einfallenden Römer zu einem Punkte, von dem aus sie über diese ganze Fläche ihre Beobachtungen machten, und suchten auch dadurch Wege auf, um in das Oberland zu kommen, welches damals nicht mehr den Namen der Bergbewohner hatte, sondern Norea, auch Noricum geheißen hat, das heißt, Menschen, die auch schon die Ebenen bewohnt und sich auf die Füße der Berge gemacht haben, da deren Scheitel unwirtbar geworden waren, weil die damaligen Fluten ihnen alles Erdreich abgespült und dasselbe in die Tiefen oder an die Füße der Berge angelehnt hatten.
 
14
Seht, ich bin Zeuge gewesen, wie diese Oberlands-, auch schon Unterlandsbewohner dieses Landes von dem verwegenen römischen Volk auf das grausamste sind besiegt worden. An meiner Stirne selbst fanden mehr denn hundert Kinder, von ihren eigenen Müttern an mich geschleudert, den Tod. Jedoch, was bei mir nur im kleinen vor sich ging, davon würden euch größere Felsen im Oberlande wie auch im Unterlande die größten schauerlichsten Beispiele erzählen können. Doch ich als ein plumper Stein bin nicht berufen und bestimmt, euch einen Geschichtsschreiber zu machen, und will euch lieber noch ein wenig meine eigene Umgebung näher beleuchten, soweit mein Gesichtskreis reicht.
 
15
Daß dieser ganze, jetzt sogenannte Murboden nur ein aufgeschwemmtes Land ist, davon könntet ihr euch dadurch überzeugen, so ihr 100 Klafter, stellenweise wohl auch 1000 Klafter tief graben würdet, allwo ihr mehrere meiner Kameraden, welche durch das Feuer in die Fluten geschleudert worden sind, finden würdet. Auch würdet ihr da, könntet ihr dieses ganze angeschwemmte Land abheben, nichts als lauter Klüfte und Felsen entdecken, in welchen ihr viele versteinerte Ungetüme des Meeres antreffen würdet.
 
16
Jedoch an diesen Stellen - als die Linie ist da oben, wo das alte Schloß steht, bis auf den gegenseitigen Berg - würdet ihr gleich auf den Stein kommen, da früher ein Gebirgsrücken unter den Fluten war. Da weiter unten, wo ihr einige Zeit lang Steine gebrochen habt - in der Linie, da ein kleiner Berg an der Fläche sich befindet, an welchem ihr das Zeichen des Kreuzes aufgerichtet habt, und in dieser Linie fort bis an den übrigen Berg, den ihr ,Plabutsch` nennt, dürftet ihr auch nicht so lange graben, um auf den Stein zu kommen. So auch mehrere Stunden unten, da wo jetzt ein Markt steht, den ihr Wildon nennt, würdet ihr auch links und rechts bald Stein finden. Aber auch selbst noch an jenem Teile dieses Murbodens, an welchem Täler in denselben münden, würdet oder könntet ihr ebenfalls auch bald auf Gestein kommen, welches mit denselben Insignien des Meeres bezeichnet ist hie und da, deren ich schon früher erwähnt habe. Und solche Stellen könnte ich euch nach der ganzen Länge des Flusses zu Hunderten anzeigen.
 
17
Jedoch sollet ihr noch einen Blick auf diese kleineren und größeren benachbarten Berge werfen, und da sollt ihr wissen, daß noch nicht mehr als höchstens 2000 Jahre verflossen sind, als diese meine kleineren und größeren Brüder noch in vollen Flammen gestanden sind. Und es gibt in diesem Lande auch nicht einen Berg, der nicht ursprünglich auf diese Weise entstanden wäre.
 
18
Nur einzig und allein in eurem Wiegenlande, welches ihr Asien nennt, finden sich noch Urgebirge, welche unmittelbar gleich nach der Hauptzerstörung zur Wohnung den begnadigten Menschen angewiesen waren. Hier in diesem Lande aber, so ihr euch die Zeit und die Mühe nehmen würdet, so würdet ihr auf einer hohen Alpe, die von hier aus zwischen Mittag und Abend liegt, auch noch Steine finden, die bei der großen Zerstörungsszene, welche nach dem Fehltritte des ersten Menschenpaares erfolgt ist, hierher geworfen wurden, und auch Massen von mehreren Planeten finden, die wesentlich unterschieden sind von meiner Art.
 
19
Dies ist nun alles, was ich euch sagen kann und sagen darf aus meiner natürlichen Sphäre. Und um das Weitere, Tiefere und geheimnisvolle Wesen sollt und habt ihr euch nicht zu kümmern; denn diese Geheimnisse liegen in der Tiefe der göttlichen Erbarmung und gehen euch wenig oder gar nichts an, - sondern dies habt ihr alles von der Gnade des Herrn zu erwarten, insoweit es euch not tut zur Veredlung und Unsterblichmachung eures frei gemachten Wesens, Amen.
 
 
(Die Rede endete 15 Minuten nach elf Uhr Vormittag.)