HIMMELSGABEN - BAND 2

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

- 66 -
Einem angefochtenen Ehemann


 

30. November 1842, vormittags

 
1
Dies Wörtlein gebe Meinem lieben Freunde A. H.-Willig!
 
2
Am Tage, an dem du den Namen deines Leibes und deiner Seele feierst, will auch Ich deiner gedenken und will dir eine Nebengabe bieten. Nehme sie an, auf daß du genesest am Leibe und an deiner Seele! Denn diese zwei Teile an dir sind ein wenig krank. Im Leibe haftet etwas zuviel von der Galle, und deine Seele ist zu gedrückt, fürs erste von dem etwas kränklichen Leibe, und fürs zweite von den allerlei unbedeutenden weltlichamtlichen Sorgen.
 
3
Diese letzteren merkest du zwar wenig, weil du dich ihrer angewohnt hast. Aber sie hören darum nicht auf, das zu sein, was sie sind. Sie sind eine Last der Seele und verhalten sich zu ihr gerade also, wie ein schwerer Lastwagen zu einem Pferde, welches schon jahrelang solchen Wagen gezogen hat. Es fühlt freilich wohl nicht mehr die Last desselben, da es wie eine fühllose Maschine denselben zieht. Aber kannst du darum behaupten und sagen: Der Wagen sei dem Tiere keine Last mehr, weil es dieselbe nicht mehr zu empfinden vermag?
 
4
Setzen wir aber den Fall, ein solches Pferd möchte im Gespanne vor dem Wagen kränklich werden an irgendeinem Leibesteile. Meinst du wohl, daß es im Zuge davon wird geheilt werden können, weil es die Last des Wagens nicht fühlt? - Siehe, solches wissen die Fuhrleute gar wohl. Darum spannen sie es aus und gönnen demselben auf eine Zeit Ruhe und gute Pflege. Das Tier wird darauf wieder gesund, frisch und heiter. Und so es dann wieder an seinen lang gewohnten Wagen gespannt wird, da zieht es denselben wieder also leicht fort, als hätte es nur einen Federflaum zu ziehen!
 
5
Du wirst zwar dieses Bild nicht völlig fassen; doch so Ich dir es nur ein wenig beleuchten werde, dann wird es dir klar sein, was Ich damit sagen will.
 
6
Du meinst nun, daß Ich damit sagen will, du sollest etwa dein staatliches Amt auf eine Zeitlang aus deinen Händen legen? - O nein, das meine Ich nicht! - Denn darinnen sind deiner Seele Sorgen nicht begraben. Aber in deiner weltlichen Häuslichkeit liegen sie!
 
7
Du hast Not mit Meiner Sache bei den überaus weltlichen Weltanverwandten, da ihnen die Welt alles, Ich aber gänzlich der Niemand bin!
 
8
Allein mache dir daraus lediglich nichts! Denn fürs erste können sie dir kein Haar auf dem Haupt krümmen. Und fürs zweite habe Ich sie schon lange vorgemerkt und weiß, was Ich mit ihnen tun will. Denn wahrlich, sie werden Meiner sie stark versuchenden Falle nicht entrinnen! Es sagt aber ja schon ein altes Sprichwort unter euch: ,,Wer zuletzt lacht, lacht am besten." - Siehe, also wird es auch allda gehen.
 
9
Ich sage dir aber: Mache frei dein Gemüt! Laß die Esel plärren! Wende deine Ohren von ihnen ab und erheitere dich bloß nur an Mir! Tue denen womöglich Gutes, die dich mißachten, und segne die, welche dich heimlich, wie fluchend, verachten!
 
10
Da werden die glühenden Kohlen über ihren Häuptern nicht unterm Wege verbleiben, und du wirst eine große Linderung über dein Herz bekommen! - Übergebe diesem großtörichten Weibe deine Töchter und opfere sie Mir zuvor auf, dann werde schon Ich ganz heimlicher Weise das Ruder wenden. Und geht es dann, wie es geht, dann denke, Ich vermag ja noch eine Hure durch einen Blick zu Mir zu kehren, also werde Ich auch da den Weg nicht verfehlen.
 
11
Übrigens sei ein Herr deines Weibes! - Belasse ihr weltlich Tun und Treiben; ihre Zunge aber wende in Meiner Sache allzeit gebietend und männlich kräftig von dir weg! - Wenn sie nicht schweigt, so gehe ihr aus der Zunge und zeige ihr, daß du nicht im geringsten an ihrem Gelde hängest, wohl aber sie an deiner getreuen Verwaltung desselben.
 
12
Ist die damit nicht zufrieden, dann lege ganz sorglos ihren ganzen Kram völlig in ihre Hände und Sperre, auf daß sie damit mache, was sie will! - Solches jedoch kannst du als äußerstes Mittel betrachten!
 
13
Wirft sie dir deine Geringschätzung gegen sie vor, dann frage sie - höchst ernstlich aber! - welches Achtungsgewicht sie von ihrer Seite aufzuweisen hat in all den dir zugefügten Kränkungen? - Dann aber höre sie ja nicht weiter an, sondern gehe ihr geschwind aus der Zunge!
 
14
Wenn sich ein Sturm erhebt am Meere und kommt ein vorüberziehender Gegensturm, da wird Ruhe auf dem Meere. Siehe, also verhält es sich auch mit den ,,häuslichen Windsbräuten". Freilich wohl muß ein solcher Gegensturm aus einem zornlosen Herzen kommen, sonst kann er mehr Schaden anrichten denn ein früherer Vorsturm!
 
15
Mein Knecht aber muß baldmöglichst aus dem Welthause deines Weibes mit Sack und Pack ziehen, so wird dadurch deinem Weibe der Mund über die Hälfte verstopft werden! - ,,Mit Sack und Pack" aber besagt, daß er in deines Weibes Hause gar nicht mehr aus und ein gehen soll. - Unterstütze ihn nach seinem kärglichen Bedarfe etwa mit zwanzig und fünf Gulden - ganz geheim aber, daß davon niemand außer dir, deinem Bruder und dem Knechte etwas erfährt, so wirst du bald Ruhe haben.
 
16
Mache dir aber aus allem nichts und sei völlig heiteren Mutes, esse und trinke nach deiner Lust und deinem Bedürfnisse, mache in Gesellschaft deines Bruders und etwa des Knechtes wöchentlich, nach deiner Zeit, Ausflüge über das mehr unschuldige Land; unterhaltet euch von Mir, und Ich werde mit euch sein und werde euch jeden Atemzug segnen zu eurer dreifachen Gesundheit!
 
17
Und also wirst auch du, Mein lieber A. H.-Willig, ruhiger Seele, heiteren Geistes und freien Herzens dich gar ehestens der besten leiblichen Gesundheit zu erfreuen haben! - Siehe, Ich sage dir, es ist das Ganze nichts als eine leere Spiegelfechterei Meines Feindes. Es wird aber der lose Spiegel gar bald durchstoßen sein, und dann wird es wohl auch mit solcher ,,Fechterei" ein Ende haben!
 
18
Wo lebt aber ein Mensch oder ein Volk auf der Erde, der oder das da Meinetwegen nicht ein wenig durchgehetzt worden wäre?! - Wohl aber dem, der da ist aus Liebe zu Mir ein getreuer Kämpfer für Mein Reich, wahrlich, sein Lohn wird auch unermeßlich groß sein! - Denn fürs erste wird er den Tod auf der Erde nimmer schmecken in seinem Geiste. Was aber dann erst in Meinem Vaterhause seiner harret, dafür hat die ganze Unendlichkeit zu wenig Ohr, um es gebührend vernehmen zu können!
 
19
Also sei heiter und fröhlich, denn auch dein Kreuz ist eine Gabe von Mir, deinem ewig guten und heiligen Vater!
 
20
Vertraue dich Mir in allem! Und gehe es da in deiner Familie, wie es gehe, so denke, der große Steuermann ist dem Ruder nicht ferne!
 
21
Nehme somit hin Meinen Segen für allezeit und ewig! Amen.