HIMMELSGABEN - BAND 2

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

- 165 -
Die Schnecke als Lebensbild


 

25. Juni 1847

 
 
D
er Mensch, wie er sein soll und wie er auch nicht sein soll, ist gleich einer Schnecke!
 
2
Die Schnecke, ein gar elend Tierchen, ist ein Doppelbild, das zu allen Zeiten und, außer an den Polargegenden, fast an allen Orten der Erde vorkommt unter mannigfach veränderten Gestalten und Größen und den Menschen darum auch hauptsächlich so recht zur Beobachtung nahe gestellt ist, auf daß sie von ihr lernen möchten, wie sie sein sollen und wieder auch wie sie nicht sein sollen.
 
3
Die Menschen sollen ihre Augen ebenso sorgsam, wie die Schnecke ihre Fühl- und Sehrüsselchen, von der Welt abziehen und in sich kehren, so diese ihnen, den Menschen nämlich, ihre Lockungen vorhält und sie damit blenden will. - Aber sie sollen wieder nicht wie die Schnecke ihre Augen von sich hinaus in die Welt treiben, wo sie dann nichts als die Welt nur sehen mit all ihren Lockungen und für Mich kein Auge mehr haben!
 
4
Die Menschen sollen, gleich den Schnecken, vier Augen haben, von denen die zwei großen Seelenaugen - Vernunft und Verstand - nach oben zu Mir, Gott dem Herrn, und nur die zwei ganz kleinen Leibesaugen nach unten zur Welt gerichtet sein sollen. - Und dennoch sollen sie wieder nicht gleich den Schnecken die großen Augen in die Welt hinausstecken, auf ihre vielen sinnlichen Bedürfnisse schauen und nur mit den kleinen Augen den so über alles wichtigen Lebensweg betrachten, was (NB.!) jetzt wohl bei gar so vielen Menschen der Fall ist.
 
5
Die Menschen sollen ferner wieder ebenso vorsichtig sein wie die Schnecken und sollen nur, so es not tut, ihr inneres Wesen über ihr naturgemäßes Gehäuse (den Leib) hinausstellen und da zeigen, daß sie keine leeren Gehäuse sind - und sollen dasselbe, gleich den Schnecken, auch alsogleich wieder ins Gehäuse zurückziehen, so demselben von der Welt her irgendeine Gefahr droht. - Aber sie sollen wieder ihr Inneres nicht, gleich der Schnecke, bloß sinnlicher Bedürfnisse wegen entäußern; oder die Menschen sollen nicht ihre geistigen Talente dazu verwenden, um sich durch dieselben irdische oder weltliche Vorteile zu verschaffen!
 
6
Wieder sollen die Menschen die Geduld von der Schnecke nehmen und also ihr Ziel mit einer schneckischen Geduld und Beharrlichkeit verfolgen und sollen allezeit bedenken, daß da auf einen Hieb kein Baum von einiger Bedeutung zum Falle kommt! - Aber den Weg des geistigen Lebens sollen sie nicht mit der Schneckenpost verfolgen! Und so es sich darum handelt, den Dürftigen und Notleidenden zu helfen, auch da sollen sie sich nicht mit der unendlich geduldigen Trägheit der Schnecken auf die Beine machen, sondern da sollen sie eilen wie ein Hirsch und springen wie ein Löwe!
 
7
Ferner soll der Mensch sein irdisch Haus nur so wie die Schnecke für ein einfaches Bedürfnis ganz einfach bauen und einrichten, auf daß dessen Bürde nicht das innere, geistige Leben erdrücke! - Aber wieder sollen die Menschen nicht gleich der Schnecke an ihrem leiblichen Gehäuse hängen, auf daß, so es ihnen abgenommen wird, sie dann nicht in ihrer Seele also den Tod erleiden wie die Schnecke, so ihr das Gehäuse zertrümmert wird!
 
8
Wiederum sollen die Menschen durch den stets unversiegbaren Ausfluß ihrer alles an sich ziehenden und ankleben machenden Liebe tun, wie es die Schnecke mit ihrem reichlich aus ihr hervorquellenden Safte tut, mittelst dem sie sich an alle Gegenstände klebt und sie dadurch gewisserart an sich zieht, auf daß sie ihr zur Unterlage des Lebens dienen. - Aber es sollen die Menschen auch nicht mit ihren schmutzigen und ehrabschneidenden Worten also auf allen ihren Wegen alles besudeln und beschmieren, was ihnen nur immer unterkommt, wie die Schnecke mit ihrem Schlammsafte ihren Pfad, den sie bekreucht!
 
9
Dergleichen Bilder könnten von der Schnecke noch mehrere gegeben werden, doch für euch genügen diese vollkommen, so ihr sie für euer Leben beachten wollet. Daher sage Ich euch noch einmal: Seid und handelt wie die Schnecken, und seid und handelt auch wieder nicht wie die Schnecken, so werdet ihr leben wie rechte Menschen! Amen.