HIMMELSGABEN - BAND 2

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

- 140 -
Das Mädchen aus den Sternen


 

7. März 1847

 
 
J
a, ja, schreibe nur! Ich will schon was Rechtes und Gutes sagen. Aber da werden wir uns schon so recht zusammennehmen müssen! Denn dieses Mädchen ist sehr empfindlich und braust gleich auf, wenn man ihm nicht so etwas recht Artiges und Schönes sagt und auf gut deutsch. Sie hat nun schon recht viele Klassiker gelesen und kennt die dritte Endung sehr von der vierten auseinander und hat mehr Wohlgefallen an der halbvergangenen als an der völlig vergangenen Zeit, und die verbindende Art klingt ihr besser als die anzeigende. Auch liebt sie erhabene Stellen, besonders wenn sie etwas dunkel und unverständlich sind oder witzig.
 
2
Auf diese Stücke müssen wir daher sehr acht haben, so wir ihr mit diesem Wörtlein irgendeinen Gefallen erweisen wollen. - Also nur zugeschrieben, aber gescheit, erhaben und dabei doch etwas pikant und witzig! Sonst werden wir ihr, besonders ob dieser etwas nötigen Vorbemerkungen, eben nicht am besten gefallen. - Und somit zur Sache!
 
3
Ein Mädchen auf Erden einst lebte geschmückt im Herzen, so wie da geschmückt ist des Orion strahlender Gürtel. Sie seufzte in Nächten und weinte im Schlafe. Am Tage allein nur sah oft man es lachen und scherzen mit allen den Sternen der Himmel, die es allein am Tage nur konnte erschauen. Zur Nachtzeit der heiterste Himmel kein Sternchen ihm bot, und der Schlaf ohne Träume die nächtlichen Stunden durchschlich.
 
4
O da mußte zum Zauber ihm werden ein jeglicher Tag! Denn er gab ihm ja alles, dem seltenen Mädchen, was sonst nur die Nacht, dies nährende Mutter der Erde, den Träumenden gibt. - O nun rate, du liebliches Töchterchen, die du entstammest dem Schoße der Sterne, da keine Nacht drückt die bestaubten Gefilde der leuchtenden Welten, wer wohl dieses seltene Mädchen doch ist?
 
5
Sieh, wohl weiß Ich, daß du Mir die Frage nicht leichtlich beantworten wirst. Aber dennoch mußte Ich diese Frage hier geben, um dir damit klärlichst zu zeigen den Mantel der Weisheit und wie er nur schwer ist zu lichten im Herzen, in das manche irdische Pflanzen die Wurzel getrieben schon haben.
 
6
Doch sollst du dies seltene Mädchen wohl kennen, denn es ist dir näher, als du es hier glauben wohl möchtest. Darum will Ich Selbst auf die Frage die Antwort dir geben. Und so denn Mich höre, du liebliche Tochter der Sterne! - Das seltene Mädchen ist göttliche Liebe im menschlichen Herzen, ist Geist, das ganz eigentlich ewiglebendige Wesen aus Mir.
 
7
Dieser lebte einst völlig im Menschen und webte im Herzen den leuchtenden Faden ins ewige Leben. Das war für dies seltene Mädchen ein herrlicher Tag! - Aber nun ist die Nacht ihm geworden, und siehe, es seufzet gewaltig; gar bald wird ein finsterer Schlaf seine Augen beschleichen, und da wird es weinen, das seltene Mädchen, im finsteren Schlafe des Lebens!
 
8
Darum, o Mein liebes Töchterchen, trachte dies seltene Mädchen in deinem gebildeten Herzen stets mehr und stets mehr zu beleben! Dann wirst du am ewig stets heitersten Tage im Herzen stets lachen und fröhlich sein über die Maßen.
 
9
Das wünscht dir dein Vater, dein heiliger Vater, zum ewigen Tage der neuen Geburt aus dem Geiste der Liebe und Wahrheit, in Ewigkeit! Amen.