HIMMELSGABEN - BAND 2

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

- 120 -
Jesuiten, Opernspiel und Hostienkult


 

6. Juni 1844

 
 
O Herr! Laß mich armen Sünder einige Fragen tun, auf daß durch deren Beantwortung aus Dir, o heiliger Vater, mein Gemüt erleuchtet und erleichtert werde!
 
1
So stelle denn deine nicht sehr wichtigen Fragen!
 
 
1. O Herr! - Was soll ich von der nunmehrigen Überhandnahme der Jesuiten und auch anderer Orden halten?
 
2
So viel wie von einem Schnee im Monate März, der heute fällt und morgen von den Sonnenstrahlen vernichtet wird! Wenn der Schnee die Gegend bedeckt, da sieht es wohl recht traurig aus und es hat das Ansehen, als hätte sich der tiefe Winter wieder eingefunden. Aber nur wenige Stunden Sonnenschein, und der so mächtig drohende Winter ist nicht mehr!
 
3
Siehe, das ist von der jetzigen Institution dieser Kongregation zu halten! - Hast du nicht gesehen, wie die Schmarotzerpflanzen sich an einem Baume ansetzen, als wollten sie dem Lebensschwachen eine neue Lebenskraft verleihen?! - Aber gerade sie sind des Baumes voller Tod! - Verstehst du dieses Bild?
 
 
2. Was soll ich, o liebster Herr und Vater, denn von der gestrigen, mich in musikalischer Hinsicht sehr erbauenden Oper halten? - Wie soll ich sie nehmen, daß ich mich dabei etwa nicht gegen Deinen Sinn verhalten möchte?!
 
4
Das ist eine rein weltliche Sache, die Mich nichts angeht! - Das aber kannst du dir ja merken: Diese Opera, oder besser musikalische Komödie ist wie jegliches Menschenwerk, das da allezeit besteht aus Unrat und Gold! - Der ,,Unrat" ist das Materielle, und bei der Komödie die schandvolle Handlung. - Das ,,Gold" ist die geistige Tätigkeit vor jeder materiellen Handlung - wird aber eben durch die Handlung in Unrat verkehrt.
 
5
So ist es auch mit der Musik bei dieser Komödie der Fall! Sie ist ein Gold, mit dem ein Unrathaufe vergoldet ist, der aber dennoch durch das schöne Gold hindurch gar gewaltig stinkt, und das ganz besonders für junge Menschen, deren sinnliche Nüstern sehr empfindlich sind!
 
6
Die Handlung ist zwar in höllischer Art wahr. Denn also (wie in der Komödie) tun rein höllische Geister. Der sogenannte ,,Don Juan" ist aus der dritten Hölle, sein Gefährte aus der zweiten und das meiste andere Personal aus der ersten! - Nun frage dich selbst, ob solch höllisches Zeug wohl tauglich ist, mit Himmlischem bekleidet zu werden?!
 
7
Vor der Welt erscheint die Sache wohl, als bestünde gerade hier die größte Harmonie zwischen der Handlung und zwischen der Musik. Aber vor Mir ist gerade hier die größte Disharmonie zwischen der Handlung und zwischen der Musik. Denn je abgefeimter irgendeine Handlung ist, desto weniger taugt sie für die edle Musik!
 
8
Du denkst zwar nun und sprichst bei dir: Durch eine solche schändliche Handlung, die ihr höllisches Ziel erreicht, können Menschen ja doch nur eher abgeschreckt, als zu ähnlichen Handlungen verleitet werden.
 
9
Ich aber sage dir: Beispiele sind gleich einem Zugpflaster, das auch die guten Säfte auszieht und die schlechten desto fester in der Haut läßt! - Es hört wohl öfter auf ein Zugpflaster der Schmerz auf, aber nicht wegen der Verminderung der schlechten Säfte, sondern nur darum, weil durch das Zugpflaster die Gegend, die früher noch für den Schmerz empfindlich war, zufolge der Entziehung der guten Säfte, förmlich abgetötet wurde.
 
10
Und siehe, gerade also geht es auch mit der sogenannten moralischen Besserung durch die Aufführung höllischer Handlungsweisen! Sie ziehen die edlen Gefühle aus der besseren Seele und töten dann die halbe Seele durch die zurückgelassenen unedlen Gefühle, deren Geburtsort die Hölle ist. Und es braucht dann wieder recht viel, bis die böse Wunde geheilt und die halbgetötete Seele wieder belebt wird!
 
11
Siehe, das ist eine vollkommene ,,Rezension" über deine gestrige Musikkomödie. - Die Welt würde sie kaum gutheißen; aber in den Himmeln wird nur also geurteilt.
 
12
Wenn jemand aber über Worte Töne setzt, so soll er allezeit nur über Worte aus den Himmeln Töne setzen, aber nie über Weltworte. Weil die Töne an und für sich himmlisch rein sind.
 
13
Am besten aber ist es, die Töne allein zu setzen und sie in ihren melodischen und harmonischen Weisen anzuhören. Denn dann sind sie gleich der Rede in den Himmeln, die sich in einer Zustandsferne auch als die reinste Musik vernehmen läßt!
 
14
Solches also verstehe und beachte wohl!
 
 
3. Herr, Du heiliger, lieber Vater! Was ist denn mit dem Frohnleichnamsfest? Soll man dasselbe wohl also feiern, wie es die römische Kirche haben will?
 
15
Darüber zu reden, bin Ich nicht aufgelegt! - Unter diesem Feste wird die Erfindung und Einsetzung der Hostie und dabei auch der Monstranz gefeiert! - Was aber ist die Hostie und was die Monstranz - und was demnach das Fest? - Bin Ich und die Hostie eins? - Und ist die Monstranz gleich dem Himmel, der da ist Mein ewiger Thron?!
 
16
Wenn es aber einen Kaiser gäbe, der da allen seinen Untertanen ein Gedächtniszeichen gegeben hätte, wie Ich dereinst das Liebesmahl mit Brot und Wein - und die Untertanen aber wären mit dem Denkzeichen nicht zufrieden, sondern möchten es ummodeln und so gestalten, daß es mit dem ersten nicht die leiseste Ähnlichkeit mehr hätte, ehreten dann dieses ganz veränderte Denkzeichen mehr als den Kaiser selbst und möchten am Ende nicht den Kaiser als den Kaiser, sondern dafür lediglich das umgestaltete Denkzeichen für den lebendigen Kaiser halten.
 
17
Und wenn der Kaiser selbst käme und fragete: ,,Was tut ihr? Ist das mein Denkzeichen?" Und die Untertanen möchten dann den Kaiser verhöhnen, sich allezeit wider ihn empören und sagen: ,,Dies Zeichen hat uns der Kaiser also gegeben, und es ist lebendig der Kaiser selbst, und es gibt keinen anderen Kaiser! Wenn du dieses Denkzeichen nicht also anerkennst, wie es das echte und lebendig wahre ist, dann bist du der Kaiser nicht, sondern nur ein allerketzerischester Widerkaiser, ein Fürst der Hölle, und bist des Feuertodes schuldig für ewig!"
 
18
Sage! Wie wohl wird diese Erwiderung ob des Denkzeichens dem wahren Kaiser munden? - Siehe, also mundet auch Mir dies Fest!
 
19
Was würde aber ein Kaiser zu seinem Diener sagen, der ihm ins Angesicht sagte: ,,Dein Reich trete ich mit Füßen und dich selbst habe ich in meiner Gewalt!" - und möchte dann der Diener dem Kaiser dennoch Feste geben, als hielte er, der Diener, etwas auf den Kaiser - wird der Kaiser diesem Feste wohl beiwohnen und sich ergötzen an demselben?!
 
20
Ich meine, das wird der Kaiser fein bleiben lassen! Und Ich meine aber auch, daß da von Mir aus bei einem ganz ähnlichen Feste derselbe Fall sein wird!!
 
21
Und schließlich meine Ich auch, du wirst an dem bisher Gesagten genug haben. - Verberge aber diese Zeilen gut! Denn sie würden denen, die nicht Mich, sondern nur das gewaltig veränderte Denkzeichen für alles halten und setzen, zu sehr mißfallen!
 
22
Das alles sage Ich dir wie im stillen Vertrauen nur. Darum teile es nicht vielen mit! - Das ist Mein guter, heiliger Wille! - Deine Freunde aber dürfen es schon erfahren. Amen.