HIMMELSGABEN - BAND 1

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

- 121 -
Der Berg Kulm


 

22. Mai 1841, nachmittags von 1/2 4 Uhr bis abends 8 Uhr

 
 
Schreibende: K. G. L. - Andr. und Ans. H.
 
 
Über die am Mittwoch, den 19. Mai 1841 von Jakob Lorber und einigen Freunden unternommene Reise auf den Kulmberg bei Michelsdorf im Grazer Kreise, offenbarte der Herr gnädigst durch Seinen Knecht Nachfolgendes:
 
 
(NB. Statt von Graz nach Waiz zu fahren, um auf den Kulm zu gelangen, schlugen wir den Umweg über Gleisdorf ein. Und statt von Gleisdorf gerade nach Pischelsdorf zu fahren, gelangten wir auf die Ilzerstraße, und zwar nach Sonnabendkirchen (Sinabelkirchen), von wo aus wir erst nach Pischelsdorf fuhren. Der Kulm wurde erst abends um 1/2 7 Uhr erstiegen.)
 
1
Wenn ihr ein nächstes Mal eine Gebirgshöhe in Meinem Namen betretet, da richtet es also ein, daß ihr fürs erste euch im voraus um den nächsten Weg bekümmert, und fürs zweite, daß ihr auf einer solchen Höhe wenigstens drei Stunden lang verweilet.
 
2
Denn wenn es sich um eine äußere Anschauung eines Wunders handelt, da muß das Sinnenwesen zuerst durch den weitgedehnten Anblick der äußeren Dinge gewisserart voll gesättigt werden. Durch diese Vollsättigung gerät dann das Gemüt in eine Art Betäubung, welche nicht unähnlich ist dem euch bekannten magnetischen Zustande.
 
3
Wenn ihr euch da dann an Mich wendet im Geiste der Liebe und aller Wahrheit, sodann erst kann Ich das innere Auge der Seele mit dem Auge des Geistes verbinden und diese doppelte innere Sehe dann richten vor das Auge des Leibes. Dadurch könnet ihr dann in den Stand gesetzt werden, Dinge der Natur in einem ganz anderen Lichte zu schauen und mitten unter den naturmäßigen Dingen Geistiges also zu entdecken, daß dasselbe im strengen Verhältnisse mit den naturmäßigen Dingen gewisserart durchsichtig bildlich zur Erscheinung kommt und also seinen Standpunkt einnimmt, wie die Ursache zur Wirkung.
 
4
Wenn ihr aber schon eine Speise zu euch nehmet, die nur für den Magen berechnet ist, da verweilet ihr nach der Mahlzeit eine kurze Zeit in der Ruhe und saget, solches sei der Verdauung wegen nötig. Meinet ihr denn, eine solche Ruhe sei nur dem Magen zuträglich, so er seine Speise zu sich genommen hat?
 
5
Ich sage euch aber, ihr bedürfet solcher Ruhe um so mehr, wenn der noch sehr schwache Magen eures Geistes ein wenig geschwelget hat. Denn wenn solche Ruhe nach der Sättigung des Geistes wegbleibt, so gehet auch die geistige Verdauung schlecht vor sich. Es muß aber ja allezeit jede Speise eher verdaut sein, bevor sich der das Leben fördernde Stoff entbindet und aufsteigt als Nahrung für das höhere Leben.
 
6
Denn jeder Nahrungsstoff nährt zuerst die unterste Potenz des Lebens. Ist diese genährt, so wird der Stoff verfeinert zum Dienste eines auf einer höheren Kräftestufe stehenden Lebens, und das so lange fort, bis er zu der hohen Sphäre des Selbstbewußtseins und endlich der vollen Sich-selbst-An-und-Durchschauung gelangt.
 
7
Nun denket euch, wenn ihr auf eine solche hohe geistige Speisekammer gelangt und raffet da vieles in einem Augenblicke heißhungrig zusammen, sobald ihr euch aber durch einen solchen Schnellfraß einigermaßen gesättiget fühlet, da laufet ihr fort, als wenn ihr Diebe wäret! - Fraget euch selbst, wo da die Verdauung und die aufsteigende Verfeinerung des Nahrungsstoffes bleibt?
 
8
Daher, wie schon gesagt, richtet es euch ein nächstes Mal besser ein, und das zwar eures schwachen Glaubens wegen, vermöge dessen ihr mehr oder weniger lauter ,,Thomasse" seid. Denn solange es nichts zu gaffen und zu greifen gibt, wahrlich, da seid ihr noch immer im halben Glauben und ebenso auch in halber Liebe und im halben Vertrauen. So aber jemand sich die Augen verbindet oder von der Stelle weichet, da Ich ihm ein Schaustück bereitet habe, so bin nicht Ich, sondern ist er selber Schuld daran, wenn er nichts gesehen und eben auch gar nicht zu viel empfunden hat.
 
9
Damit ihr aber dessenungeachtet zu einer inneren Anschauung durch das Wort gelanget, so will Ich vermöge Meiner immerwährenden, unbegrenzten Liebe und Barmherzigkeit euch gegen den Schluß dieser Schrift das Versäumte zeigen und nach der Ordnung vorführen. - Zuvor aber muß euch das Naturmäßige dieses Berges sowohl als auch dessen weitgedehnte Umgebung und Fernsicht, wie auch die atmosphärischen Gebilde, näher erklärt und berichtigt werden.
 
10
Was den Berg selbst betrifft, so hat er denselben Ursprung, wie die euch schon im vorigen Jahre gezeigte Chor- und Kleinalpe. Denn das Gestein hat die nämliche Blätterformation, wie die schon bekannten zwei Alpen. - Seine Neigung ist von Südost nach Nordost. Denn also kam die über hundert Klafter dicke Blätter-Steinmasse als gefestigter periodischer Niederschlag des Meeres nach der schwammartigen Erhebung aus dem Grund an ihre eigene Untermasse zu lehnen, nachdem diese Untermasse von den damaligen noch großen Wasserströmungen abgespült worden war, was euch alle die Kleinhügel zeigen, da sie bis zu einer Höhe von hundert Klaftern und auch darüber von abgerundeten Kieseln mit untermengtem Flugsande oft mehrere Klafter tief überdeckt sind.
 
11
Ihr werdet zwei vorzügliche Ausläufer von diesem Berge entdeckt haben, von denen sich der eine südlich, der andere aber mehr östlich mit mehreren kleinen Auszweigungen hinzieht. Diese Ausläufer sind, allda sie am höchsten stehen, ähnlichen Ursprungs. Die Niederungen aber oder die Zweige dieser Hauptausläufer sind nichts als Anschwemmung; der Abhang gegen Norden und der kleinere Ast gegen Nordost ist nur eine Form des Urbruchs aus der Tiefe und ist dessen sanfter und sanfter auslaufender Fuß, entstanden teils durch das Abbrechen der hoch über ihre Unterlage ragenden Felsenzinnen, teils aber ebenfalls durch Anschwemmung und Niederschlag von Sand und kleineren Steinchen, welche die Flut oft weit her mit sich geführt hat und dort fallen ließ.
 
12
Sehet, das ist nun die Grundbildung dieses Berges! - Wenn ihr dann und wann eure Augen auf den betretenen Boden geheftet habt, so werden euch auch hier kleine abgerundete Quarzbröckchen notwendig zum Vorschein gekommen sein; nur mit dem Unterschiede, daß ihre Farbe nicht weiß, sondern rötlich ist. Dieser Quarz ist nicht desselben Ursprungs wie der weiße auf der Choralpe, sondern er rührt aus der Noahischen Zeit, allwann - wie euch schon ein wenig bekanntgegeben wurde - der großen Wasserflut, welche damals fast über dreiviertel Teile von Asien und ganz Europa und über die nördliche Hälfte Afrikas ging, eine hauptsächlich in Europa und dem westlichen Asien überaus heftige Feuer-Eruption voranging, d.h. ungefähr 77 Jahre vor der darauf folgenden Wasserflut.
 
13
Daß sich in den unterirdischen Wasserbehältern durch den Niederschlag eine solche Quarzmasse bildet, könnet ihr daraus ersehen, daß sich eben diese Quarzmasse auch in den oberirdischen Gewässern durch einen schleimartigen Niederschlag bildet, wenn ihr den zahllos vorkommenden Quarz an den Ufern der Flüsse nur ein wenig ins Auge fasset.
 
14
Nehmet ihr einen solchen abgerundeten Quarzklumpen im Gewichte von etwa einem Pfund, leget denselben in eine Wasserkufe, entweder am Brunnen oder auch irgendwo anders, da ihr Wasser haltet zur Feuerversicherung, lasset ihn bei zwei Jahre lang darin liegen und wäget ihn hernach auf einer genauen Waage, so werdet ihr finden, daß er fürs erste gewichtig geworden ist und fürs zweite auch ganz gewiß ums kennen etwas umfangreicher. Wenn aber schon eine so kurze Zeit in Hinsicht der Bildung des Quarzes einen solchen merklichen Ausschlag gibt, da denket, wie stark die Bildung dieser Steinmassen erst in den großen unterirdischen Wasserbehältern seit so vielen Jahrtausenden her sein muß!
 
15
Wenn die Feuer aus der noch größeren Tiefe der Erde hervorbrechen und auf ihrem blitzschnellen Wege die über ihnen befindlichen großen Wasserbecken samt der über den Wässern mehrere tausend Klafter dicken Erdkruste zerreißen, so muß es ja geschehen, daß bei einem solchen Ausbruche allerlei zerrissene Steinmassen aus der Tiefe der Erde bis hoch über die Wolken hinausgeschleudert werden, von wo sie dann natürlicherweise teils wieder in den Abgrund und teils auf die Oberfläche der Erde niederfallen, wo sie dann, wenn irgendeine Gebirgsplatte noch nicht gehoben ist, mit derselben dann bald darauf miterhoben werden. Oder sie fallen auch schon auf gebildete Gebirgserhöhungen nieder, was auch bei dem Kulm der Fall war. Denn dieser war schon da, als auf der nördlichsten Gegend - namentlich zwischen den Ortschaften Buch und dem Schlosse, das Ich nicht benennen will - eine solche unterirdische Feuer-Euruption vor sich ging, davon die euch bekannte regellose Unebnung des Bodens herrührt.
 
16
Wenn ihr auf den Zug der Täler nur ein wenig Aufmerksamkeit gewendet habt, so werdet ihr mit leichter Mühe entdeckt haben, daß sie sich samt und sämtlich mehr oder weniger südöstlich hinziehen. Dieses bekundet nichts anderes, als den Zug der vormaligen großen Wasserströmung, welche einst ihr Ufer an den Kärntnerischen Alpen und andererseits an den Karpaten Ungarns hatte und somit eine beinahe dreimalige Breite des Adriatischen Meerbusens hatte, da dieser am breitesten ist.
 
17
Später hat sich das Wasser mehr und mehr verloren, und es waren dann nur ebensoviele einzelne Ströme von derselben Breite zu sehen, wie ihr jetzt noch die einzelnen Täler erblickt. Und von allen diesen Strömen ist nun nichts mehr übriggeblieben als die in den Tälern vorfindlichen Bächlein, welche nur dann einen etwas bedeutenderen Fluß ausmachen, wenn sie sich zu Hunderten nach längerem Zuge vereinigt haben.
 
18
Nun sehet, wenn ihr ein nächstes Mal auf irgendeine solche Höhe kommet, sei es die nämliche oder eine von euch gewählte oder eine von Mir bestimmte, so müsset ihr eure Phantasie und Einbildungskraft in diesem Gefühle erwecken und schauen die Vorzeit im Vergleiche der Gegenwart, und zwar allezeit das nur, was die Erde selbst euch zur Anschauung bietet, so habt ihr den wahren Grund zur inneren Anschauung gelegt.
 
19
Darinnen werdet ihr Meine Arbeit entdecken und Meine Baukunst bewundern und werdet euch Mir nahen in eurem immer wacher werdenden Gefühle.
 
20
Wenn ihr aber auf einer solchen Anhöhe nichts anderes zu tun habt, als nur mit Kalk übertünchte Stein- und Holzhaufen anzugaffen, da tut ihr ja bei weitem besser, wenn ihr zu Hause in eurer Stadt bleibet, daselbst ihr nicht das Auge so abzumühen habt, um eine Menge von übertünchten Steinhaufen mit einem Blicke zu überschauen, welche noch obendrauf zum größeren äußeren Vergnügen des Auges kunst- und prachtvoller erbaut sind als die Mir über alles widrigen Landespreßkammern, in welchen Menschen wohnen, welche sich darum für mehr als die andern Menschen halten, weil sie neben vielen tierischen Eigenschaften auch noch die der Blutegel und Vampire besitzen, vermöge welches traurigen Prädikates sie für nichts und wieder nichts ihren vermeintlichen Untertanen das Blut ihrer kärglichen Habseligkeiten ohne alles Bedenken abzapfen können.
 
21
Es hat wohl jeder Monarch für die wahren Staatsbedürfnisse seine Untertanen mit verhältnismäßigen Steuern zu belegen, aber daß ein solcher sogenannter ,,Gutsherr" auch Steuern fordert von seinen vermeintlichen Untertanen, wahrlich, Ich sage euch, das ist Mir ein Greuel. Und wenn ein solcher sogenannter Gutsherr nicht durch häufige Wohltaten an seine vermeintlichen Untertanen solchen alten Frevel soviel als möglich zu tilgen strebt, so wird er dereinst eine harte Rechnung abzulegen haben und wird sich müssen über den letzten Heller überaus vollkommen ausweisen, wozu er ihn verwendet hat. - Wehe denen, die ihre Renten verpraßt, vergeudet und verhuret haben! Wahrlich, Ich werde sie begraben lassen unter ihre höllische Preßkammer! Und sie sollen da so lange gepreßt werden von den Materialien, davon ihre Preßkammer erbaut wurde, bis das letzte Steinchen durch den darniederfallenden Regen in Tau und Staub aufgelöst worden ist.
 
22
Nun sehet, daher sollet ihr von einer solchen Höhe die Anschauung solcher allerletzten Dinge auch auf die allerletzte Zeit ergehen lassen und dann euch auf der Höhe in die anfangs besprochene Verdauungsruhe setzen. Dann habt ihr die Dinge in Meiner Ordnung angeschaut, habt auf Meiner Welttafel ordentlich gespeist und werdet dadurch auch zur Nützliches befördernden Verdauung gelangen.
 
23
Habt ihr auch Fernrohre mit euch, so gebrauchet dieselben nach eben der Ordnung, aber nicht umgekehrt. Und wenn ihr schon damit anfanget, fernliegende Gebäude euren Augen näher zu bringen, so richtet sie zuerst auf ärmliche Hütten und Keuschen. Ich sage euch, der Anblick einer solchen Wohnung der Armut wird für euer Gefühl, für eure Phantasie und Einbildungskraft mehr lebendige Stärkung bieten als der vielfache Anblick irgendeiner entlegenen, verrosteten Stadt oder eines halbzerfallenen Schlosses oder eines gar nichtssagenden Glockenturmes bei einer Kirche aus Steinen, Ziegeln und Mörtel!
 
24
Ist denn nicht jeder Baum, jede Pflanze ebensogut und mehr noch ein lebendiger Tempel, durch welchen sich Meine Macht, Weisheit und Liebe treulich kundgibt dem, der diesen gewiß viel künstlicheren Tempel mit dem Geiste und dessen Liebe betrachtet? Daher ist euch fürs erste nötiger, diese lebendige Tempel Meiner Liebe und Erbarmung zu betrachten und hernach erst diejenigen mit hohen Glockentürmen.
 
25
Denn bei den hohen Glockentürmen, da muß Ich gewisserart die sonderbare Ehre haben, als ein immerwährender Arrestant in irgendeinem vergoldeten Tabernaculum zu sitzen und zu warten, bis der Priester, entweder durch seine Ordnung oder manchmal auch durch einen klingenden Beutel genötigt, Mich dem armen, halb und oft auch gar nichts glaubenden Volke zur meistens sehr uninteressanten Anschauung, Anmurmelung und Anrufung ausstellt. Nach einem ein- oder zweimaligen metallenen Segen mit Begleitung des Metallgeklingels und Chorgeplärrs aber muß Ich Mich dann von neuem wieder untätigermaßen einsperren lassen.
 
26
Daß solches ein allerbarster Unsinn ist, welchen die spätere Glanzsucht ausgeheckt hat, möget ihr wohl ohne Fernrohr auf den ersten Blick aus Meinen Evangelien ersehen und an den ersten echtkirchlichen Gebräuchen zu den Zeiten der Apostel und ihrer Nachfolger durch mehrere Jahrhunderte hin.
 
27
Wo Ich Mich mit der Materie verbinde, da wird die Materie lebendig. Denn mit dem Tode hat der lebendige Besieger desselben nichts zu tun. Wer aber Mich im Brote sucht, der glaube, daß Ich das Brot und den Wein eingesetzt habe als bleibendes Denkmal Meiner Menschwerdung auf Erden. Aber das Brot und der Wein müssen sein, was sie sind; und müssen nicht eingeschlossen sein und gesteckt und gefaßt ins tote Metall; sondern sie müssen gefaßt sein in den lebendigen Glauben und in die wahre Liebe!
 
28
Und so wie das Brot ein echtes Brot sein soll, an welchem man sich sättigen kann, und der Wein ein echter Wein zur Stärkung der Lebenskraft und zur Stillung des Durstes - also soll auch sein der Glaube gleich dem Brote und die Liebe gleich dem Weine!
 
29
Es ist aber in solchen steinernen Kirchen der Glaube nun gleich der Hostie, die nur die Form des Brotes in einer höchst unsättigenden Potenz enthält, und die Liebe ist ebenfalls entweder gar keine, weil kein Wein - oder mit zeitlichen Interessen gewässert, wie bei dem sogenannten ,,Meßopfer".
 
30
Mehr brauche Ich euch darüber nicht zu sagen, da ihr aus diesem wenigen gar leicht entnehmen möget, ob für den Geist ein blühender Baum nicht mehr Nahrung bietet als ein solch glaubensloser und liebekalter Tempel.
 
31
Nun, nachdem Ich euch sowohl für diesen als für einen künftigen Fall mit allem wahrhaft Zweckdienlichen bekanntgemacht habe, so will Ich - wie schon anfangs erwähnt - euch auch noch dasjenige zeigen, das ihr allda hättet an euch selbst erfahren sollen, wenn ihr nicht gar zu nötig gehabt hättet, wieder in euer Nachtquatier zurückzukehren.
 
32
Wenn ihr irgendwo in Meinem Namen euch befindet, da tut ihr sehr unrecht, wenn ihr euch um was immer sorget, sei es um die Gesundheit des Leibes oder um andere allfällig mögliche Gefahren des Zurückkommens. Denn wo Ich euch als Führer diene, da seid ihr in der Mitte der Nacht so gut geborgen wie am hellen Mittage, ob ihr lieget, stehet oder gehet. Oder könnt ihr Mir einen Vorwurf machen, daß euch bei irgendeiner Reise in Meinem Namen nur ein Haar gebrochen worden ist?
 
33
Daß ihr auf dieser Reise ein wenig von dem eigentlich nächsten Weg abgewichen seid, hat keinen anderen Grund gehabt als das ,,werktätige Zeugnis", aus welchem ihr gar füglich ersehen möget, daß der Mensch oft weniger aus schlechtem Willen als aus Unkunde den weitesten Weg nach dem vorgesteckten Ziel einschlägt, ohne zu bedenken, daß auch im Geiste - wohlverstanden - der gerade Weg der kürzeste ist.
 
34
Denn es gibt bei Mir durchgehends keine ,,hohen Ämter" und keine ,,Sonntagskirchen" (in der Volkssprache ,,Sunnwendkirchen" oder ,,Sinabelkirchen"), die ihr zuerst durchmachen und passieren müßt, um zu Mir zu gelangen. Und in Meiner großen Staatsverwaltung bin Ich die unterste und oberste Instanz Selbst. Solches aber habt ihr nicht gesehen und nur sehr leise empfunden.
 
35
Auf dem Berge ganz in der Höhe aber, da ein ärmlichstes Kapellchen ist, werdet ihr einen Luftzug vom Morgen her gar deutlich körperlich verspürt haben. In diesem Luftzug habe Ich euch angewehet, davon euch sicherlich eine heiter-ruhige Stimmung und eine große Stärkung eurer ermüdeten Glieder und ein geheimnisvolles Rauschen durch die Wipfel der niedlichen Bäumchen eine nicht geringe Kunde gegeben hat, daß ihr darob sicher hättet sagen können: ,,In einem geheiligten Winde aus Morgen her hat der Herr mich angeweht!"
 
36
Wäret ihr nun über den Verlauf der siebenten Stunde da geblieben und hättet euer Herz und euer Auge zu Mir gerichtet, so hättet ihr auch von dem Berge bis nach dem Friedhof dieses Pfarrortes, da ihr geblieben seid, eine Auferstehung der Toten gesehen, wie Ich sie eine Minute lang - unter dem Verbote, euch davon Meldung zu tun - Meinen Knecht habe sehen lassen. Welches Bild sich da zeigte, mag euch der Knecht nach dieser Mitteilung entweder mündlich, so ihr es aber wollt, an einem Tage auch in die Feder sagen!
 
37
Es bleibt uns demnach nur noch die abendliche Trübung der Atmosphäre zu erklären übrig. - Der ,,Abend" ist die Weltsphäre des Menschen. Wenn der Mensch sich dem ,,Morgen" naht, und dieser sich vor ihm mehr und mehr aufzuklären anfängt, da wird es etwa doch notwendig sein, dem noch sehr abendlich gesinnten Morgen-Wanderer, den ,,Abend" so viel als möglich zu verhüllen, auf daß seine Augen ja keinen anlockenden Gegenstand finden sollen, der sie von der Beschauung des ,,ewigen Lebensmorgens" abziehen möchte! Sehet, darum war auch der Abend so sehr mit Dünsten aus der Erde angefüllt, um euch ebenfalls zu belehren, daß wenn einem der ,,Morgen" geöffnet wird (wenn auch hie und da noch ein wenig getrübt), er seine Blicke nicht dem dunstigen ,,Abende" zukehren solle, sondern dem ,,Morgen des Lebens", d.h. nicht der Welttümlichkeit, sondern dem, was des Geistes und Meiner ewigen Liebe ist.
 
38
Am nächsten Tag - als an einem Feier- oder Ruhetage - habt ihr alles im reinsten Lichte gesehen, ohne die geringste dunstige Trübung. - Dieses soll euch besagen, daß nur in der stillen Feier der ,,Verdauung" der von Mir gereichten Speise endlich alles Trübe und Finstere sich aufhellet und die klare, selbstbewußte Anschauung dann in großer Klarheit aus des Lebens neu erwachtem Morgen in das wunderbare Dasein tritt.
 
39
Also erwäget auch ihr dieses Bild in eurem Herzen! Wandelt geraden Weges und befleißiget euch, daß ihr der ,,verdaulichen Ruhe" nicht vergesset, so werdet ihr auch in euch, wie den ,,neuen Morgen" voll Glanz und Licht, so auch den gereinigten ,,Abend" eures Weltlebens gar wohl erleuchtet schauen in euch.
 
40
Machet euch die Berge zu Freunden, die Täler zur Anschauung der Demut und Mich zum Führer durch die Täler auf die Berge der Ruhe und des Friedens, so werdet ihr jetzt wie immer und in alle Ewigkeit erkennen, daß nur Ich, euer Vater, der wahre Weg, das Licht und das ewige Leben selbst bin ewig!
 
41
Das sage Ich, der allerbeste Wegweiser. Amen.