DIE GEISTIGE SONNE
BAND 1

Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits

- Kapitel 51 -


   
2  
3  
4  
5  
6  
7
Der Gast spricht: O lieber Freund, ich gestehe es dir, du hast es auf ein Haar erraten; also ist es mir gar oft ergangen. Ich habe solchen Fehler auch allzeit treulich gebeichtet und konnte ihn aber dennoch nicht aus mir hinausbeichten. Der Geistliche hat mir solches als eine boshafte Wirkung des Teufels erklärt, und ich bemühte mich mit großer Selbstverleugnung, das hl. Meßopfer mir so angenehm als möglich vorzustellen; aber leider war alle meine Mühe vergeblich. Ich betete zwar alle Gebete aus einem guten Meßbuche und unterhielt mich daher während der Messe so gut und so andächtig, als es mir nur immer möglich war. Aber ich konnte es nicht dahin bringen, daß es mir am Ende leid gewesen wäre, wenn das Meßopfer zu Ende war, sondern allzeit war ich so ganz heimlich froh, wenn ich wieder aus der Kirche kam. In Sommertagen, wenn es eben nicht zu heiß war und zugleich auch noch eine gute Chormusik das Meßopfer begleitete, da ging es noch an; aber, lieber Freund, im Winter, da hab' ich es, ich muß dich aufrichtig versichern, nicht selten für eine Art sündenreinigendes Fegfeuer betrachtet; also am allerwenigsten für einen himmlischen Grad. Daß ich mir aber auf der Erde dergleichen Einerlei erträglich vorstellte, und so auch die Monotonie des Himmels, wie ich sie mir dachte und wie sie uns gelehrt wurde, dürfte wohl darin seinen Grund gehabt haben, daß ich mich mit dergleichen monotonen Vorstellungen dennoch in der durch allerlei Erscheinlichkeiten und eigene Tätigkeiten stets abwechselnden Welt befand.
 
8  
9  
10  
11  
12  
13  
14  
15  
16  
17  
18  
19  
20  
21  
22  
23  
24  
25