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DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 8
Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre
Der Herr und Seine Widersacher
- Kapitel 1 -
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Da sprach ein höchst heuchlerischer Pharisäer: ,,Junger Mensch, der du von guter Abkunft zu sein scheinst, bist du ein Abgeordneter des Lazarus, den wir kennen, und mit dem allein nur wir reden wollen? Es ist das eine sonderbare Sitte nun hier geworden, daß der Gerufene an seiner Stelle denen, die nur den Herrn sprechen wollen, einen unbärtigen Knaben entgegensendet! Gehe du hin zu Lazarus, den wir sprechen wollen, und sage ihm, daß wir, die ihn sprechen wollen, wohl in Jerusalem und in allen Landen der Juden einen viel höheren Rang einnehmen als er!"
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Sagte Raphael: ,,Wenn ihr denn schon gar so große Herren seid, so wundert es mich wahrlich, daß ihr, verkleidet, im schon ziemlichen Dunkel des Abends euch hier herauf auf diesen von euch in den Bann gelegten Berg und Ort begeben habt! Heißt es nicht also in eurem Fluche: ,Wer von den Juden diesen Berg betritt zur Tages- oder Nachtzeit, der sei verflucht an Leib und Seele!`? Wenn aber also, wie mochtet ihr selbst euch heraufbegeben, um mit dem Ketzer Lazarus zu sprechen?"
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So ihr euch aber dazu zur Genüge machthabig dünket, da steht ihr ja weit über Gott; denn Gott Selbst, als das Urgesetz, besteht und handelt stets in Seinem Gesetz und steht sonach in und unter Seinem Gesetz. Wenn aber Gott Selbst das ewig auf das allerstrengste beachtet, wer gab demnach euch das Recht, euch übers Gesetz zu stellen, euch zu verkleiden, damit man euch nicht erkennen möchte, wie und wann ihr selbst euer Gesetz übertretet? So ihr Herren über das Gesetz seid, wozu dann eure Furcht, vom Volke erkannt zu werden, so ihr wider eure Gesetze handelt?"
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Seht, ihr habt in eurem Rate beschlossen - weil die von euch gestern Ausgesandten euch keine Nachricht über den Aufenthalt des euch so sehr verhaßten Propheten aus Galiläa haben bringen können, und das aus dem höchst einfachen Grunde, weil sie selbst nicht wieder zurückgekehrt sind -, erstens euch hier auf eine schlaue Weise zu erkundigen, ob etwa Lazarus hier anwesend sei, und ob er nicht wüßte, wohin etwa der Prophet gezogen ist, und zweitens, wenn Lazarus etwa nicht mehr anwesend sein sollte, den Wirt oder einen anderen Diener zu bestechen, daß er euch möglicherweise eine erwünschte Auskunft gäbe! Erhieltet ihr diese, so würdet ihr dann sogleich alle eure euch noch treu gebliebenen Häscher aussenden, um den euch so sehr verhaßten Propheten fangen und auch alsogleich töten zu lassen.
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Hierauf sah der Pharisäer den Raphael groß an und sagte nach einer Weile: ,,Wer gibt dir, du unbärtiger Junge, das Recht, uns also zu verdächtigen? Erstens weißt du noch nicht, ob wir wohl im Ernste dem Tempel angehören, und ob wir Juden sind, und zweitens sagen wir, daß wir von deinem großen Propheten kaum etwas wissen! Wir haben auf unserer Reise hierher wohl hie und da etwas vernommen, daß im Judenlande ein großer Magier sich bemerkbar mache durch seine Künste oder Zaubereien, ob er aber ein Freund oder Feind der Judenpriester ist, oder ob diese ihn verfolgen, das ist uns wahrlich sicher ganz gleichgültig! Wir sind Handelsleute und kümmern uns sicher um derlei Kleinigkeiten niemals! Wenn aber also, wie kannst du uns Dinge vorhalten, die uns noch nie gekümmert haben?"
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Sagte ein anderer Pharisäer: ,,Höre, du junger weiser Redner, wir bitten dich nun um nichts Weiteres, als daß du uns wieder unversehrt hinab in die Stadt kommen lässest, und wir geben dir die vollste Versicherung, daß wir als nun Hierseiende uns nimmerdar an der Verfolgung des wundersamen Propheten aus Galiläa irgend im geringsten beteiligen werden! Ja, wir wollen und werden sogar den andern nach Möglichkeit davon abraten! Ob wir aber unsere Amtsgenossen gegen den Wundermann werden geneigter machen können, dafür können wir dir freilich nicht gutstehen; aber daß wir unser möglichstes aufbieten werden, um die Verfolgungswut unserer Genossen zu dämpfen, dafür stehen wir euch gut! Denn wir haben es jetzt erfahren und uns selbst überzeugt, daß unsere blinde Verfolgung des Galiläers eine der größten Torheiten ist, die zu gar nichts anderem als nur zu unserem Untergange führt. Und so wollen und werden wir auch das tun, was wir dir hier gelobt haben; aber nur laß du uns, wie wir dich schon gebeten haben, unversehrt die Stadt wieder erreichen!"
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