DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 3

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre

Jesus in der Gegend von Cäsarea Philippi

- Kapitel 135 -


   
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Sehet, solches ist mir in der Nacht noch von einem allergetreuesten Zeugen kundgegeben worden! Nun, was war die Folge von diesem weisen und sehr zeitgemäßen Unterrichte? Die etlichen mit wenigen Worten Wohlunterrichteten eilten darauf zum verzweifelten Volke hinaus und schrieen heiter aus vollem Halse: ,Trost, Trost, Trost über Trost! Höret uns zu eurem Besten ruhig an!` Hierauf unterwiesen sie das Volk auf eine leicht begreifliche Weise. Das Volk, solches einsehend, ward von Zorn und Wut gegen euch ergriffen und bereitete dann euch so ein bißchen etwas von einem jüngsten Tage Daniels. Da ich aus dieser treuen Kundgabe nun wohl nur zu gut einsehe, daß eigentlich nicht der Mutwille der Heiden, sondern gerade nur ihr selbst daran schuldet, daß in dieser Nacht die sonst recht schöne und bedeutende Stadt zu Asche wird auf Grund des gerechten Ärgers des Volkes über euren betrügerischen Sinn, so werdet ihr es hoffentlich wohl einsehen, daß ich eurer sehr frech gehaltenen Bitte nicht nur kein Gehör geben kann, sondern daß ich im Gegenteile als Vizeregent hier zum Besten meines Kaisers und zum Besten des Volkes euch zur strengsten Verantwortung und zum vollständigen Ersatze des Volksschadens, den ich genaust werde erheben lassen, ziehen und verurteilen werde, - vorausgesetzt, daß sich alles also verhält, wie ich's in dieser Nacht von einem nur zu glaubwürdigen Zeugen vernommen habe! - Was habt ihr dagegen vorzubringen? Redet, so ihr etwas gegen das vorbringen könnt!"
 
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So aber dein weiser Mann, der die wenigen wider uns unterwies, gar so ehrlichen Sinnes war, warum kam er denn nicht auch zu uns und zeigte uns das, was er einigen Mißvergnügten, die uns stets anfeindeten, gezeigt hat? Nur ein Mensch, der unsere erhabenste Gotteslehre nicht kennt und keine Ahnung von einem Worte Gottes durch den Mund eines Propheten und von dessen Wirkung in einer durch Zeichen am Himmel bedrängten Zeit hat, kann wider uns also schändlichst böse verleumdend auftreten! Und solch einem Menschen kann ein Oberstatthalter Roms eher einen vollen Glauben schenken denn uns!? Man wird uns wohl sagen: ,So jener weise Mann zu euch gekommen wäre und hätte euch also belehrt, wie er das verzweifelte Volk belehrt hat, so hättet ihr ihn nicht angehört und ihn noch gerichtet oder gar gesteinigt!` Wer aber kann so etwas eher von uns behaupten, als bevor er es an uns versucht hat!? Erst nach der Tat pflegen wir zu urteilen und zu richten, aber vor der Tat, nach dem Scheine und nach irgendeiner bösen Mutmaßung, nie! Für unser Benehmen spricht unsere Gotteslehre; wer aber kann auftreten und uns beweisen, daß wir anders glauben und anders handeln?! Böswillige Verleumdung oder eine arge Mutmaßung beweist bei uns nichts, und dein Zeuge mag dir gesagt haben, was er gewollt hat, so erklären wir seine Anklage für so lange als völlig null und nichtig, bis er uns erweisen kann, daß wir wirklich anders handelten, als wir selbst des Glaubens waren, und daß wir den weisen Mann, der das Volk mit seiner Weisheit wider uns aufgewiegelt hat, ungehört entlassen hätten, so er zu uns gekommen wäre!
 
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Edler Oberstatthalter, bedenke wohl, daß du es hier mit wahren Erzdienern Gottes zu tun hast und nicht mit Templern neuer Art, die sich leider nur schon zu wohl darauf verstehen, ihren Mantel allzeit nach dem Winde zu drehen! Wir wissen das wohl, und der Tempel ist uns darum auch nicht geneigt; aber bei uns leider wenigen sitzt noch der alte Glaube fest, an dem die Nachtfliegen, die dir etwas falsch Beurteiltes ins Ohr raunten, nichts locker machen werden! Wir haben heute wohl einen herrlichen Tag des Herrn, und es ist nirgends eine Spur von einem Gottesgericht, außer daß unsere Stadt ein Raub der Flammen wird, - aber nicht durch ein Gottesgericht, sondern durch die leider finstere Bosheit einiger uns stets feindlicher Heiden. Wäre es aber etwa bei Gott gar so etwas Unmögliches gewesen, mit dieser Gegend geschehen zu lassen wie einst mit Sodom und Gomorrha? Wer kann hier auftreten und sagen, daß es nach den vorhergegangenen Zeichen nicht also hätte geschehen können?! Wir wollen gar nicht sagen, als hätte etwa Gott unserer vielen Gebete und Seufzer wegen diese Gegend von Seinem angedrohten Gerichte verschont; Gott kann das wegen irgendeines uns völlig unbekannten Frommen getan haben, weil denn doch auch unsere Gebete mit dem Gebete des einen Frommen bis zu den Stufen Seines Thrones gedrungen sind. Aber wer beweist uns gegen unsern Glauben und gegen unsere Überzeugung, daß es nicht also, sondern völlig ganz anders sei?! - Ich habe nun geredet im Namen der Meinen, und du, hoher Herr, urteile nun ein vor Gott und allen Menschen gerechtes Urteil!"