DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 2

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre.
(Im Sommer des Jahres 30)

Zweite Reise des Herrn:
Nazareth - Höhle bei Bethabara (Erste Volksspeisung) - Berg des Gebets - Wandel auf dem Galiläischen Meer (des Petrus Glaubensprobe) - Zu Schiff nach Genezareth an der gleichnamigen Meeresbucht

- Kapitel 155 -


 
S
agt der Hauptmann: ,,Herr, das sehe ich nun recht gut ein, aber dennoch weiß ich aus meinem Leben um einen besonderen Fall, wo alle Liebe nichts auszurichten vermochte; und der Fall war folgender: Es diente unter den vielen Soldaten, die unter mir stehen, ein junger, riesenhaft kräftiger Illyrier. Sein Schwert wog fünfzig Pfunde, und er dirigierte es dennoch mit einer Leichtigkeit, als hätte er eine Feder in der Hand. Dieser bezahlte Krieger, einen Panzer und einen Schild tragend, leistete in einer Schlacht mehr denn hundert andere Krieger. Im Kriege war er demnach gut zu gebrauchen, - aber nicht also im Frieden; da war er ränkesüchtig, und es verging keine Woche, in der er nicht irgendeinen neuen ärgerlichen Spektakel zum Vorschein gebracht hätte. Ich behandelte ihn stets liebevoll, stellte ihm das Böse und Schändliche seiner begangenen Spektakel so anschaulich als möglich vor und verwies ihm solche seine mutwillige Spektakelmacherei. Da gelobte er mir allzeit völlige Besserung und hielt sich darauf auch einige Tage ganz nüchtern und bescheiden; aber es währte so etwas nie über zehn Tage, so kamen schon wieder Klagen von allen Seiten, und wir mußten darauf natürlich Schadenersätze leisten. Fragte man ihn, warum er denn doch um aller Welt willen so etwas tue, so gab er allzeit dieselbe Antwort und sprach: ,Ich übe mich in der Kriegskunst, und da verschone ich außer den Menschen nichts, und mein Schwert muß an verschiedenen Gegenständen versucht werden!`
 
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