DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 1

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre

Zweiter Tag in Sichar

- Kapitel 94 -


 

10./11./13. 10. 1851

 
   
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Sagt Judas: ,,Ja, ja, das ist richtig! Aber so man dadurch allerlei Diebe hintanhalten möchte, daß diese bei den Menschen nichts finden sollen, danach es sie gelüsten sollte, so müßte bei den Menschen ungeheuer vieles verändert werden! Fürs erste müßten die Menschen durchaus gleich arm an allen diesirdischen Gütern sein, fürs zweite müßten sie sich gleichschauen wie die Sperlingsmännchen und -weibchen, und fürs dritte dürfte keiner weiser sein als alle andern! Solange aber das nicht der Fall ist, ist alles Reden, Lehren und Zeichentun umsonst! Es werden sich wohl viele daran kehren; aber zehnmal so viele werden bei aller Lehre und bei allen Zeichen bleiben wie sie sind, wo sie nicht allenfalls - und zwar ebensoleicht, wo nicht leichter - noch zehnmal ärger werden, als sie früher waren. Denn etwas Eigenliebe hat doch jeder Mensch und will eine mäßige Versorgung haben; daher denkt jeder Mensch doch ganz natürlich zuerst für sich und dann erst für die andern! Und das kann man ihm doch unmöglich verargen! Haus und Grund kann nicht ein jeder haben; denn da müßte für jeden Neugeborenen sogleich von Gott aus auch ein Grund samt Haus mit ihm in die Welt geboren werden und aufwachsen mit ihm. Da aber solches nicht der Fall ist und sich die früher Geborenen schon lange jeden Fleck der Erde zugeeignet haben, daß darob nun die meisten Neugeborenen auch nicht einen Fußbreit Erdreichs besitzen können, so bleibt ihnen am Ende nichts übrig, als sich entweder durch allerlei Kenntnisse den trägen Besitzern unentbehrlich zu machen und also in einer oder der andern Art Dienste zu nehmen bei den reichen Besitzern der Erde, oder man muß sich auf die Dieberei verlegen, um nicht den schweren Bettelstab ergreifen zu müssen. Wenn dann der bessere Teil derer, die keinen Grund und kein Haus besitzen, für ihre Dienste nichts als Geld bekommen und das Geld möglichst zusammensparen, damit sie für ihre alten Tage etwas haben, so finde ich darin durchaus nichts Schlechtes, und ich finde im Gelde eine neue Schöpfung von Grund und Boden für alle jene, die auf diese armselige Erde ohne allen auch nur je zu erhoffenden Besitz gekommen sind durch Zeugung und Geburt. Und ich muß offen bekennen, daß Gott Selbst, Der nicht gleich für jeden Neugeborenen auch ein neues Stück Landes erschaffen mag oder will, den Herrschern die gute Idee eingegeben hat, Geld zu kreieren, wodurch auch Kinder der Nichtbesitzer zu einer nötigen Versorgung gelangen können, die oft besser ist als jene, die im Grunde und Boden besteht. Und das kann Gott doch nicht wollen, daß die Kinder der Nichtbesitzer zugrunde gehen sollen!? Denn sie können doch offenbar nicht dafür, daß sie zur Welt geboren worden sind, und zwar mit denselben Lebensbedürfnissen wie die Kinder der Besitzer!
 
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