DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 1

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre

Auf dem Berg Morgenkopf bei Kis

- Kapitel 171 -


   
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Es wird euch nicht unbekannt sein, daß der Nazaräische Zimmermann namens Joseph, der allzeit im Rufe stand, daß er Kenntnisse in der ägyptischen und persischen Magie besitze, zugleich ein Nachkomme Davids in gerader Linie ist und sich dann und wann auch den Beinamen ,Davids Sohn` gab. Der Vater Josephs, der Eli hieß, auch ein Zimmermann von sonst gänzlich unbescholtenem Charakter, hatte im geheimen dennoch dahin sein Hauptaugenmerk gerichtet, seinen Stamm wieder auf den Thron von Judäa und dem ganzen Gelobten Lande zu bringen. Er ließ seinen Sohn Joseph unter dem Deckmantel, daß dieser sich in der Baukunst recht ausbilde, nach Persien und vielleicht gar nach Indien reisen unter guter Gesellschaft, aber nicht der Baukunst, sondern der außerordentlichen Magie wegen, damit Joseph dann im Besitze solcher Wissenschaft und Kunst alle Menschen blende und sich als ein von Gott gesandtes Wesen dann auf den Thron von Juden und Römern zugleich heben ließe. Denn da wäre es mit den sehr vergötterungssüchtigen Römern leichter zu handeln als mit den Juden. Nur müßte Joseph nebst seiner geheimen Kunst äußerlich ein strenger Jude sein und ohne Makel vor dem Gesetze, auf daß dann auch selbst die Hohenpriester nichts wider ihn haben könnten! Joseph kam nach mehreren Jahren von seinen Reisen zurück, besaß nun wohl die Kunst, aber keine Mittel und Gelegenheiten, sie ins Werk setzen zu können. Es fehlte ihm, wie mir alte Leute erzählt haben, auch der Mut dazu, hauptsächlich aber die Rednergabe; denn da war er sehr schwach und darum sehr einsilbig. Eli sah, daß er sich in seiner Rechnung geirrt hatte, und ließ dann seinen Sohn Joseph, der für den Thron gar kein Geschick zeigte, nur sein bekanntes Handwerk treiben. Als Eli starb, so hatte er den Sohn Joseph wohl gesegnet, sagte aber ganz weise, daß Joseph für seine Kinder zu dem bewußten Zwecke nichts mehr tun solle, denn es schaue da nichts mehr heraus. Und so hatte Joseph für die Kinder, die er mit dem ersten Weibe hatte, auch gar nichts getan.
 
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