DIE ERDE

Die geistige Erde

- Kapitel 42 -


 

3. März 1847

 
   
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Betrachtet einmal eine Spinne! In diesem Tierchen werdet ihr zwei vereinigte Intelligenzen finden. - Die erste ist die Erkennung der ihr zusagenden Nahrung; diese Nahrung in sich zu einem doppelten Zwecke zu benützen, nämlich zur Ernährung ihres Tierwesens und zur Bereitung jenes klebrigen Saftes, aus dem sie ihr Netz spinnt, das ist nämlich eben die eine Intelligenz. Die zweite Intelligenz ist die eigentümliche Kunst der Spinne, den Faden aus sich herauszuziehen, ihn an kleine Häkchen anzuhängen und ein Netz zu spinnen oder vielmehr zu flechten, dieses Netz dann mit einem perlartig klebrigen Safte zu überziehen, um dadurch jene Tiere zu fangen, die ihr neue Nahrung geben. Aus dieser Handlungsweise muß doch ein jeder ersehen, daß der Spinne doch offenbar eine Intelligenz innewohnen muß; und es ist da die Intelligenz dasselbe, was die Naturforscher - freilich etwas unrichtigerweise - ,,Instinkt" nennen; denn Instinkt ist gewisserart ein innerer Trieb, eine gewisse Verrichtung in einer bestimmten Art ins Werk setzen zu müssen. Allein das, was die Gelehrten Instinkt nennen, das ist nicht mehr Intelligenz des Tierchens, sondern das ist schon Direktion oder Richtung von seiten höhergestellter Geister; denn es ist doch offenbar zweierlei: irgend eine bestimmte Fertigkeit zu besitzen, und: nach dieser Fertigkeit ein bestimmtes Geschäft zu vollführen. Mit dem Besitze solcher Fähigkeit ist die notwendige Vollführung noch nicht verbunden, sondern dazu muß ein anderer Trieb kommen, und da ist der Besitz solcher Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem Wesen oder in einem psychischen Spezifikum eben die Intelligenz, während die Nötigung, nach solcher innewohnenden Intelligenz tätig zu sein, nicht in dem Wesen selbst als ein Instinkt niedergelegt ist, sondern das ist nötigende Leitung von seiten höherer und vollkommener Geister, die z.B. eben unserer Spinne den Ort, wo, und die Zeit, wann sie ihre eigentümlichen Fertigkeiten ins Werk setzen soll, anzeigen. Denn wäre das nicht der Fall, da würde eine Spinne entweder gar nie oder fort und fort spinnen und würde sogar das Gesicht des Menschen nicht verschonen und ihm ein Netz über die Augen herspinnen, was aber nie der Fall ist, sondern sie muß spinnen, so sie zu spinnen genötigt wird, und wo ihr Spezifikum zweckdienlich ist, so es sich mit dem Spezifikum der dortigen Materie in Verbindung setzt und dasselbe in sich sammelt zu einen höheren Leben.
 
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