DIE ERDE

Die natürliche Erde

- Kapitel 20 -


 

29. Januar 1847

 
   
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Frage: Kann das allein den vier bekannten, einfachen Gasarten zugeschrieben werden, oder kann das allein ihre etwa verschieden verhältnismäßige Mischung zuwege bringen? Ja, wenn diese vier Gase wirklich die vier einfachen Grundstoffe wären, aus denen endlich alle Dinge gebildet sind, da wäre es ja doch eine barste Schande für die hochgelehrten Chemiker, daß sie daraus nicht lange schon Gold, Silber und Diamanten im größten Überflusse zuwege gebracht hätten; denn zwischen vier einfachen Spezies können doch bald eine Menge allerartige Quantitätsmischungen bewerkstelligt werden, und es müßte da aus jeder Mischung, wennschon eben nicht gerade gleich das Gold, so doch vielleicht irgend eine neue Pflanze oder gar irgend eine neue Rasse von Miniaturochsen, Eseln und Kälbern oder sonst etwas dergleichen zum Vorschein kommen. Aber siehe, so etwas geschieht trotz der allergelehrtesten Gesichtsmuskelverziehungen solcher Weisheitshelden nicht und kommt nichts zum Vorschein als höchstens irgend ein weißlichter Staub, der, mit Mikroskopen untersucht, sich als kleine Kristallchen erkennen läßt, womit es aber eben nicht viel gesagt haben will, weil solchen Kristallstaub die Natur im Freien ohne die chemische Küche noch bei weitem besser und mannigfaltiger erzeugt. Ihr brauchet im Herbste nur eine reife Pflaume oder eine reife Traube, auch verschiedene Baumblätter zu beobachten, so werdet ihr zum Überfluß solchen Staub als sogenannten Reim auf den obbenannten Früchten und Blättern entdecken. Ein Mikroskop hinzugesteckt, - und es wird da von den allerschönsten Kristallen wimmeln!
 
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Alle diese Erscheinungen rühren daher: weil die früheren Riesenarten die ihnen entsprechende Nahrung in der atmosphärischen Luft nicht mehr gefunden haben, so sind sie am Ende gänzlich ausgestorben. Da wäre also ein Grundluftstoff nicht mehr da, der einst da war; dafür kam aber ein anderer zum Vorschein, der einst nicht da war. Ein solcher Grund liegt auch zumeist in den nicht selten neu auftauchenden Krankheiten, sowohl für Pflanzen als auch für Tiere, bei denen die Ärzte auch ein solches Gesicht machen wie die Chemiker, wenn sie sich aufs Goldmachen verlegen und am Ende statt des Goldes einen Klumpen sehr stark stinkenden Dreckes gewinnen. Es lassen sich zwar Ähnlichkeiten zuwege bringen; so können auch neu entstandene Krankheiten mit früher schon dagewesenen eine Ähnlichkeit haben, - allein, vergleicht man das künstliche Gold mit dem natürlichen, so wird da ein Unterschied wie zwischen 1000 und 1 sein. Also ist es auch, wenn man eine neue Krankheit mit jener Medizin heilen will, durch welche eine frühere, ähnliche Krankheit geheilt wurde, so wird man sich damit gewaltig schneiden; denn diese neue Krankheit ist die Folge der Ermangelung eines Grundstoffes in der Luft, wenn selber durch irgend eine Veranlassung verzehrt und alsbald nicht wieder erzeugt wurde; und da dürfte es wohl schwer sein, eine Medizin zu finden, die den abgängigen Grundstoff in sich enthielte, durch welchen die neue Krankheit freilich augenblicklich gehoben werden könnte. Da aber diese Sache für die Menschheit, wenn diese in bessere Kenntnis geleitet wird, vom wesentlichsten Nutzen sein kann, so wollen wir nächstens noch wesentlicher davon sprechen und einen Blick auf die Ursachen werfen, durch die gewisse Grundstoffe in der Luft entweder ganz oder zum Teile verlorengehen und manchmal andere an ihre Stelle treten.