DIE ERDE

Die natürliche Erde

- Kapitel 18 -


 

26. Januar 1847

 
   
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Ein Sandkörnchen, als doch sicher das einfachste Mineral, ist so kunstvoll zusammengefügt, daß ihr euch vor lauter Verwunderung ganz umkehren würdet, so ihr es also erblicken könntet, wie es in sich selbst kunstvollst zusammengefügt ist. Da würdet ihr eine Menge der verschiedenartigsten Kristalle entdecken, die so geregelt aneinandergefügt sind, daß sie der allergeschickteste Mathematiker nie so genau berechnen könnte. Das ist aber noch das wenigste. Wenn ihr dann diese einzelnen Kristalle erst genauer untersuchen würdet, so würdet ihr finden, daß sie nichts als Komplexionen von lauter tierischen Kadavern sind, und das von einer Art Infusorien, die aber viel kleiner sind als jene schon bei weitem vorgerücktere Art, die im gärenden Wassertropfen zum Vorschein kommt; und würdet ihr dann selbst wieder diese Infusionstierkadaver näher untersuchen, so würdet ihr in einem jeden solchen Kadaver eine zahllose Menge atomistischer Tierchen entdecken, welche zur Lebenszeit dieser nun in Kristallformen aneinandergeklebten Infusorien eben diesen Infusorien als Speise und Nahrung gedient haben. Und wäre es euch möglich, ein solches atomistisches Tierchen, freilich mehr mit geistigen als wie mit den schärfst bewaffneten Naturaugen, untersuchend zu betrachten, da würdet ihr in einem jeden solchen atomistischen Tierchen eine Mignon-Hülsenglobe entdecken, in welcher im kleinsten Maßstabe das ganze Universum wie abgebildet zum Vorscheine kommt. Fasset da Millionen in ein solches Kristallchen zusammen, das aus 1000 Infusorien gefügt ist, und das Sandkörnchen aus hundert solchen Kristallen, so werdet ihr euch wenigstens einen kleinen Begriff von der höchst kunstvollen Darstellung dieses allereinfachsten Mineralstückes machen, besser zeigen können.
 
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